Umbruch auf deutschem Markt Vodafone will Kabelanbieter Unitymedia übernehmen
Zentrale von Unitymedia in Köln
Foto: Henning Kaiser/ dpaVodafone übernimmt einen Großteil des Europageschäfts des Kabelnetzbetreibers Liberty Global. Die Operationen in Deutschland, Tschechien, Ungarn und Rumänien würden für rund 18,4 Milliarden Euro gekauft, teilte Vodafone mit. Damit würde dem Konzern auch die deutsche Tochter Unitymedia gehören, die hierzulande seit dem Milliardenkauf von Kabel Deutschland bereits das größte Kabelnetz der Bundesrepublik betreiben. Vodafone geht davon aus, dass der Kauf bis Mitte nächsten Jahres abgeschlossen ist. Der Deal muss allerdings noch von den Kartellbehörden genehmigt werden.
Vodafone gehört seit 2014 das Netz von Kabel Deutschland und würde mit der Übernahme von Unitymedia auch das verbliebene Kabelfernsehnetz in Deutschland kontrollieren. Unitymedia hat nach eigenen Angaben 7,2 Millionen Kunden und ist in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg vertreten. In diesen drei Bundesländern wiederum ist Vodafone bislang nicht aktiv.
Mit der Übernahme würde Vodafone dann über ein Fernsehkabelnetz verfügen, mit dem knapp zwei Drittel aller bundesdeutschen Haushalte erreicht werden. Damit könnte Vodafone im ganzen Land Mobilfunk, Fernsehen und Breitband im Paket anbieten.
Druck auf Telekom steigt
Mit der Aufrüstung der Fernsehkabel mit dem sogenannten Docsis-3.1-Standard lassen sich zudem Internet-Übertragungsraten von derzeit bis zu einem Gigabit ermöglichen. Das wäre deutlich mehr als die Telekom derzeit mit ihren zumeist alten Telefonkabeln aus Kupfer auf der sogenannten letzten Meile erreicht.
Der Zusammenschluss dürfte den Druck auf die Deutsche Telekom erhöhen, die bisher auf einen Marktanteil bei den Breitbandkunden von rund 40 Prozent kommt.
Geht der Deal so über die Bühne, wäre es der größte in der europäischen Telekommunikationsbranche der vergangenen fünf Jahre. Er würde zudem den deutschen Telekom-Markt stark verändern.
Experten erwarten mehr Wettbewerb
Gerüchte über die Übernahme gab es bereits seit einiger Zeit. Konkurrenten wie die Telekom aber auch lokale Glasfasernetzanbieter brachten sich schon gegen die Fusion in Stellung. Sie kritisieren, dass Vodafone durch die Übernahme eine Monopolstellung auf dem Kabelfernsehmarkt erlangen könne. Befürworter, wie der ehemalige Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, argumentieren wiederum, die Übernahme sei förderlich für den Wettbewerb.
Liberty Global mit Sitz in London gehört zu den größten weltweiten Breitbandanbietern und ist allein in Europa in zwölf Ländern aktiv.