Volkswagen: Hannovers Oberbürgermeister kritisiert VW-Vorstand scharf für Sparkurs - DER SPIEGEL
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Frust über Kommunikation Hannovers Oberbürgermeister kritisiert VW-Vorstand scharf

»Man kann auch ein Produkt wirklich schlechtreden«: Belit Onay will keine schlechten Nachrichten mehr vom VW-Konzern hören. Der OB von Hannover sieht Potenziale, die »absolut unverständlich« nicht genutzt würden.
Hannovers OB Belit Onay
Hannovers OB Belit Onay

Hannovers OB Belit Onay

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Moritz Frankenberg / dpa

50.000 Stellen sollen gestrichen werden, vier deutsche Werke stehen auf der Kippe: Nach der Einigung auf einen Sparplan bei Volkswagen hat Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) klare Zukunftsperspektiven gefordert.

»Es kann doch nicht wahr sein, dass ein Vorstand eines deutschen Unternehmens den Industriestandort Deutschland derart kampflos aufgibt«, sagte Onay. »Wir brauchen keinen Vorstand, der ständig mantraartig wiederholt, wir müssen kürzen, sparen und Stellen streichen. Dafür brauchen wir ehrlich gesagt keinen hoch bezahlten Manager-Vorstand. Wir brauchen Menschen, die eine klare Perspektive entwickeln können.«

Neufahrzeuge am VW-Werk in Hannover

Neufahrzeuge am VW-Werk in Hannover

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Der VW-Aufsichtsrat hatte am Donnerstagabend grünes Licht für den verschärften Sparkurs gegeben. Die Gewerkschaft IG Metall und der Konzernbetriebsrat betonten, dass damit eine Eskalation verhindert worden sei. Mit dem Kompromiss seien Werksschließungen zwar vorerst vom Tisch, aber gleichzeitig gebe es keine klaren Perspektiven, sagte Onay zuvor bereits dem Radiosender Antenne Niedersachsen.

Keine Sicherheit für den Standort

Onay zeigte sich auch frustriert von der Kommunikation des Unternehmens. »Man kann auch ein Produkt wirklich schlechtreden, und das macht der Vorstand gerade, indem man immer wieder diese Debatten anheizt«, sagte er. »Wir haben die Diskussion jetzt noch mal um einige Monate oder um ein Jahr verlängert. Für den Standort selbst ist damit keine Sicherheit entstanden.« In Hannover-Stöcken baut VW Nutzfahrzeuge wie den ID.Buzz.

Onay sieht darin auch zukünftig großes Potenzial, weil das Werk mit Nutzfahrzeugen ein Segment bediene, das nicht in direkter Konkurrenz zum chinesischen Markt stehe. »Dort sind die chinesischen Produzenten noch nicht so stark.« Dass VW diese Expertise nicht nutze, sei »absolut unverständlich«.

Mit dem Sanierungskonzept will der VW-Vorstand um Konzernchef Oliver Blume die Rendite bis 2030 auf neun Prozent treiben. Dabei fallen rund ​50.000 Arbeitsplätze ‌weg. Laut dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Olaf Lies, der auch Mitglied im VW-Aufsichtsrat ist, soll rund die Hälfte in Deutschland gestrichen werden. Lies betonte aber, dass bei den Werken kein gemeinsamer Beschlussvorschlag ‌im Aufsichtsrat verabschiedet worden sei.

Welche VW-Standorte jetzt um ihre Zukunft bangen müssen, lesen Sie hier .

hba/dpa