Volkswagen Abgasaffäre überschattet Erfolge
Volkswagen-Aktionär auf der Hauptversammlung
Foto: Peter Steffen/ dpaWäre die Abgasaffäre nicht, könnte Volkswagen-Chef Matthias Müller jetzt sein Können als Konzernlenker demonstrieren. Sein Sparprogramm zeigt erste Erfolge. Die Rendite der wichtigen Kernmarke VW ist im ersten Halbjahr dieses Jahres schneller als gedacht gestiegen. Gute Autoverkäufe besserten das Ergebnis zusätzlich auf.
Sondereffekte aufgrund des Skandals um manipulierte Diesel-Modelle ausgeklammert, steigerte Volkswagen seinen operativen Konzerngewinn in den ersten sechs Monaten um mehr als sieben Prozent auf 7,5 Milliarden Euro, die operative Rendite von 6,4 auf 7 Prozent. Doch Kosten durch die Diesel-Affäre drückten den Betriebsgewinn auf 5,3 Milliarden Euro, die Rendite auf 4,9 Prozent. Die Probleme im Markt zeigen sich auch im Umsatz, der konzernweit bei 108 Milliarden Euro stagniert.
"Die Zahlen zeigen, dass unser operatives Geschäft solide ist", sagte Müller angesichts der Ergebnisse. Die seit Jahrzehnten unter schwacher Rendite leidende Marke VW, die im Schlussquartal 2015 operativ noch einen Verlust schrieb und im ersten Quartal dieses Jahres nur 73 Millionen Euro Gewinn, schaffte von April bis Juni 808 Millionen Euro Gewinn.
Für Müller bleibt allerdings viel zu tun: Im gleichen Quartal des Vorjahres erreichte die VW-Marke 914 Millionen Euro operativen Gewinn. Zugleich schaffte die Marke, unter der Volkswagen Golf und Passat verkauft, lediglich 2,9 Prozent operative Gewinnmarge, nach 3,3 Prozent im Vorjahresquartal.
Die VW-Marke hatte trotz des Abgasskandals die Auslieferungen im Juni erstmals seit mehreren Monaten kräftig gesteigert. Insgesamt lieferte der Konzern bis zur Jahresmitte 5,12 Millionen Fahrzeuge aus und behauptete damit seine Position als weltweit absatzstärkster Autobauer vor Toyota.
Die rechtlichen Risiken im Zusammenhang mit den manipulierten Diesel-Modellen belasten den Wolfsburger Autokonzern noch deutlich: VW legte 1,6 Milliarden Euro zusätzlich zu den bereits getätigten Rückstellungen von 16,2 Milliarden Euro zurück.
Den größten Teil davon verschlingt der Vergleich mit Behörden und hunderten Privatklägern in den USA. Gleichzeitig steigen VWs Risiken, weil drei US-Bundesstaaten den Konzern wegen Verstößen gegen Umweltgesetze verklagen und das Unternehmen in Kanada noch über eine Beilegung des Dieselskandals verhandelt. Auch in Europa fordern Kunden eine Entschädigung.