Wachwechsel Wilhelm von Haller wird Sal.-Oppenheim-Chef
Sal.-Oppenheim-Schriftzug: Personalrochade an der Spitze
Foto: Roberto Pfeil/ APKöln - Die Privatbank Sal. Oppenheim erhält nach dem Besitzerwechsel eine komplett neue Führung. Der Geschäftsführer der angeschlagenen Privatbank Sal. Oppenheim, Matthias Graf von Krockow, dankt ab. Seine Nachfolge tritt Wilhelm von Haller an - als Vorstandsvorsitzender der neu gegründeten Sal. Oppenheim jr. & Cie. Verwaltungs-AG, rückwirkend zum 1. Dezember. Das teilte die Bank am Dienstag in Köln mit.
Krockow reagiert auf eine Serie von Pannen, die das Traditionshaus in die roten Zahlen brachten. Er habe sich entschlossen, seine Funktion als Sprecher der Partner und Geschäftsleiter der Sal. Oppenheim jr. & Cie. KGaA zum 24. Dezember niederzulegen, sagte er. Allerdings bleibt Krockow noch so lange persönlich haftender Gesellschafter, bis die Übernahme durch die Deutsche Bank vollendet ist. Deutschlands Branchenprimus will das Geschäft zum Ende des ersten Quartals 2010 abschließen.
Der 57 Jahre alte Wilhelm von Haller scheint bestens geeignet für seine neue Aufgabe als Chef der derzeit angeschlagenen Privatbank Sal. Oppenheim. Denn das 220 Jahre alte Traditionshaus richtet sein Hauptaugenmerk auf den vermögenden Kundenkreis mittelständischer Firmen - und der Manager verfügt über beste Drähte in den Mittelstand.
Von Haller war seit 1986 bei der Deutschen Bank, zuletzt als Mitglied der Geschäftsleitung Firmenkunden Deutschland. Zuvor hatte der Diplom-Kaufmann für den deutschen Branchenprimus unter anderem in seiner Heimatstadt München, in Chemnitz und in Stuttgart gearbeitet, zumeist in leitender Position.
Weitere Führungswechsel stehen an
Der Wachwechsel an der Sal.-Oppenheim-Spitze ist Insidern zufolge keine rein strategische Unterscheidung der Unternehmen. Die vier persönlich haftenden Gesellschafter - neben Krockow noch Christopher Freiherr von Oppenheim, Friedrich Carl Janssen und Dieter Pfundt - waren ins Visier der Finanzaufsicht BaFin geraten. Zeitungsberichten zufolge sollen sie sich Kredite zu Vorzugsbedingungen eingeräumt haben, ohne die Aufsichtsgremien zu informieren. Die BaFin könnte ihnen deshalb die Berechtigung zum Führen einer Bank entziehen.
Oppenheim, Janssen und Pfundt sollen nach den Angaben der Bank ebenfalls aus der Geschäftsleitung ausscheiden. Janssen und Pfundt treten auch als persönlich haftende Gesellschafter ab. Baron Oppenheim werde dagegen weiterhin der Bank verbunden bleiben, hieß es.
Zu weiteren Mitgliedern des Vorstands wurden den Angaben zufolge schon jetzt Wolfgang Leoni und François Pauly berufen. Leoni war bisher Geschäftsführer der Oppenheim Kapitalanlagegesellschaft, Pauly war Generaldirektor von Sal. Oppenheim in Luxemburg. Leoni solle zukünftig die eigenständige Anlagestrategie von Sal. Oppenheim als Deutsche-Bank-Tochter verantworten, Pauly den Bankbetrieb leiten.
Sal. Oppenheim hat durch die Finanzkrise Multimillionenverluste gemacht. 2008 musste die Bank erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg ein Minus von 117 Millionen Euro ausweisen. Auch Oppenheim hatte auf das lukrative, aber risikoreiche Geschäft mit komplexen Zertifikaten gesetzt. Der Zusammenbruch von Lehman-Brothers brachte auch der Traditionsbank aus Köln Probleme. Dazu kamen schwierige Beteiligungen: Egal ob IKB-Pleite, Arcandor-Insolvenz oder IVG-Krise - Sal. Oppenheim verlor Geld.