Wahrscheinlicher neuer EZB-Chefvolkswirt Wer ist Jörg Asmussen?
SPD-Mann Jörg Asmussen: Der Anti-Beamte
Foto: Soeren Stache/ picture-alliance/ dpaHamburg - Es ist nicht so, dass die Karriere von Jörg Asmussen bislang unerfolgreich verlaufen wäre: Er war bei seiner Beförderung 2003 jüngster Ministerialdirektor der Regierung. Und als er 2008 zum Staatssekretär im Finanzministerium aufstieg, waren ebenfalls alle Vertreter in vergleichbarer Position älter.
Aber nun könnte Asmussen, der 1966 geboren wurde, endgültig vor dem entscheidenden Schritt von der zweiten in die erste Reihe stehen: Der Ökonom gilt als wahrscheinlicher Nachfolger von Jürgen Stark als Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB). Damit wäre er Mitglied im Direktorium der nach der amerikanischen Federal Reserve zweitwichtigsten Notenbank der Welt. Es gibt in der globalen Finanzpolitik nur wenige Jobs, die mehr Einfluss versprechen.
Zum Staatssekretär im Finanzministerium berufen hatte den Sozialdemokraten Asmussen der eher pragmatisch veranlagte Genosse Peer Steinbrück. Aber nach dem Regierungswechsel 2009 hielt auch dessen Nachfolger Wolfgang Schäuble (CDU) an Asmussen fest - auch, weil der sich in der Finanzkrise als Feuerwehrmann für globale Brandherde aller Art profiliert hatte.
"Keine Sorge! Alles im Griff!"
So war Asmussen bei der Rettung der Industriebank IKB mit Steuermilliarden genauso dabei wie im Lenkungsausschuss des Bankenrettungsfonds SoFFin. Auch seit Ausbruch der Euro-Krise im Frühjahr des vergangenen Jahres zieht er im Hintergrund die Strippen. Ihm kommt dabei nicht nur sein fließendes Englisch und sein fachliches Knowhow zu Gute, sondern auch sein Auftreten als eine Art Anti-Beamter. Fast immer kommt Asmussen schnittig, cool und voller Tatendrang daher. Stets signalisiert er: "Keine Sorge! Alles im Griff!"
Dabei gab es durchaus Kritik an ihm. Asmussen saß im Aufsichtsrat der staatseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau, die wiederum an der Pleitebank IKB beteiligt war. Seine Kritiker warfen ihm vor, er habe von den riskanten Immobiliendeals des größenwahnsinnigen Düsseldorfer Instituts gewusst. Allerdings konnte ihm kein persönliches Fehlverhalten nachgewiesen werden.
Sollte Asmussen tatsächlich Chefvolkswirt der EZB werden, würde die Berufung nicht einer gewissen Ironie entbehren: Er hat in Bonn Volkswirtschaft bei einem gewissen Axel Weber studiert, dem früheren Präsidenten der Bundesbank. Weber galt lange Zeit als deutscher Kandidat für die Nachfolge von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, war allerdings - wie Noch-Chefvolkswirt Stark - ein geldpolitischer Hardliner und damit vehementer Gegner der Ankäufe von Staatsanleihen notleidender Mitglieder der Euro-Zone. Nun würde doch noch ein Weber-Schüler eine der wichtigsten Rollen bei der EZB übernehmen.
Bei der Notenbank würde Asmussen einen anderen Weber-Schüler wiedertreffen, den er ebenfalls noch aus Bonner Studienzeiten kennt: Bundesbankchef Weidmann. Beide hatten eng in Berlin zusammengearbeitet, als Weidmann noch Wirtschaftsberater von Kanzlerin Angela Merkel war.