Warum der Pilotenstreik bei Lufthansa ein Elitenproblem ist - DER SPIEGEL
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Streikende Piloten Lufthansas Elitenproblem

Der Lufthansa-Streik betrifft nur eine Minderheit, den meisten Deutschen kann er egal sein. Ganz anders sieht es mit den übrigen Lufthansa-Mitarbeitern aus. Sie werden von einer Elite in Geiselhaft genommen, welche die veränderte Welt um sie herum ignoriert.
Lufthansa-Pilot mit Mütze: Die Streikfolgen sind beherrschbar
Lufthansa-Pilot mit Mütze: Die Streikfolgen sind beherrschbar

Lufthansa-Pilot mit Mütze: Die Streikfolgen sind beherrschbar

Foto: Boris Roessler/ dpa
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Gut 400.000 Passagiere sind vom Pilotenstreik der Lufthansa betroffen. Das klingt nach viel, entspricht aber gerade mal einem halben Prozent der Bevölkerung - wobei ein erheblicher Teil der Lufthansa-Passagiere nicht aus Deutschland kommt. Von dem Pilotenstreik werden deshalb viel weniger Bürger etwas mitbekommen als von den Warnstreiks, mit denen Ver.di kürzlich unter anderem Busse und Bahnen, Krankenhäuser und Kitas lahmlegte.

Wie beherrschbar die Streikfolgen sind, zeigt sich auch daran, dass der Betrieb an deutschen Bahnhöfen trotz zusätzlicher Passagiere bislang weitgehend normal weiterläuft. Es kann also keine Rede davon sein, dass die Piloten Deutschland lahmlegen.

Selbstverständlich haben Piloten genauso das Recht zu streiken wie andere Berufsgruppen. Niemand kann Verhältnisse wie bei Golf-Airlines aus den Vereinigten Arabischen Emiraten wollen, wo Arbeitskämpfe gesetzlich verboten sind. Und dass die Vereinigung Cockpit (VC) bei der Altersversorgung eine Spaltung zwischen jungen Berufseinsteigern und Altgedienten verhindern will, ist prinzipiell ein legitimes Anliegen.

Nur bringt es wenig, allein auf seine Rechte pochen, wenn sich drumherum die Welt verändert. Zu dieser veränderten Welt gehört der steile Aufstieg der Golf-Airlines, den auch die nun oft zur Hilfe gerufene Politik nicht verhindern kann. Und dazu gehört ein Trend zum längeren Arbeiten, der auch vor der Lufthansa nicht haltmacht: Es waren Piloten der Airline, die vor dem Europäischen Gerichtshof erfolgreich gegen eine Zwangsverrentung mit 60 klagten und damit auch den bislang noch möglichen Ruhestand mit 55 in Frage stellten.

Zur veränderten Welt der Lufthansa gehört schließlich auch, dass die europäische Luftfahrtindustrie in der Krise steckt. Mehrere Airlines gingen in den vergangenen Jahren pleite, Deutschlands zweitgrößte Fluglinie Air Berlin hängt zunehmend von der Gunst des arabischen Großinvestors Etihad ab. Die Lufthansa macht zwar weiterhin Gewinn, hat sich aber auch ein hartes Sparprogramm verordnet, durch das Tausende von Stellen wegfallen.

Vor diesem Hintergrund ist es schon etwas zynisch, wenn der frühere VC-Chef Winfried Streicher im ZDF beklagt, man wolle "das Personal hier zur Kasse zu bitten", obwohl "richtig viel Geld verdient" werde. Denn bislang waren nur andere Lufthansa-Mitarbeiter vom Sparprogramm betroffen, die Piloten haben sich verweigert.

Und so kann der Pilotenstreik zwar den meisten Deutschen egal sein, nicht aber den übrigen Beschäftigten im Konzern. Sie werden von einer Elite in Geiselhaft genommen, der die Sicherung der eigenen Privilegien offenbar wichtiger ist als die Zukunft des gesamten Unternehmens.