Insolventer Kirchenverlag Mindestens zwei Konzerne interessieren sich für Weltbild
Weltbild-Mitarbeiter vor einem Krisentreffen (27.01): Übergang überbrücken
Foto: David Ebener/ dpaMünchen - Ist das schon die mögliche Rettung? Für den insolventen Weltbild-Verlag gibt es offenbar Interessenten. Mindestens zwei international tätige Medienkonzerne erwägen den Kauf der Gruppe, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ"). Demnach führte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz bereits erste Gespräche mit den Interessenten über den Erwerb des gesamten Medien- und Versandhändlers.
Allerdings benötigen die potentiellen Käufer demnach mehr als zwei Monate, um alle Bücher des weitverzweigten Konzerns zu prüfen. Deshalb wolle die bayerische Staatsregierung nun Geld von Dritten auftreiben, um diese mehrmonatige Übergangsphase zu überbrücken.
Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) stellte dem Bericht zufolge bei einem Treffen mit Weltbild-Betriebsräten und Vertretern der Gewerkschaft Ver.di am Samstag in Augsburg Unterstützung in Aussicht: "Wenn Weltbild ein Stück Zeit braucht, dann versuchen wir, das mitzugestalten", sagte Seehofer demnach .
Staatsregierung will Geld an verschiedenen Stellen auftreiben
Laut "SZ" sind 24 Millionen Euro nötig, um die Gehälter der 2200 Weltbild-Mitarbeiter in der Augsburger Zentrale drei Monate lang zu zahlen. Bis Ende März zahlt die Arbeitsagentur die Gehälter - doch es würden weitere drei Monate gebraucht, um eine mögliche Übernahme vorzubereiten, hieß es. Dem Bericht zufolge will die bayerische Staatsregierung das Geld bei verschiedenen Stellen auftreiben: bei der Arbeitsagentur, beim europäischen Sozialfonds, bei Banken oder bei den kirchlichen Weltbild-Gesellschaftern.
Weltbild hatte am 10. Januar Insolvenz angemeldet, nachdem die katholischen Gesellschafter eine weitere Finanzierung für die Sanierung des nach Amazon zweitgrößten deutschen Online-Buchhändlers abgelehnt hatten. Anschließend gerieten die katholischen Träger - darunter zwölf Bistümer - in teils heftige Kritik. Der Vorwurf lautete, die rund 6300 Mitarbeiter des Verlags würden im Stich gelassen. Zuletzt sagte die katholische Kirche zu, mit bis zu 65 Millionen Euro bei der angestrebten Rettung zu helfen.