Umstrittener Finanzkonzern Wirecard will Geschäftsmodell revolutionieren
Wirecard-Chef Markus Braun
Foto: Peter Kneffel / dpaWirecard-Chef Markus Braun will den Finanzdienstleister in den kommenden Jahren komplett umkrempeln.
Bislang verdient Wirecard vor allem damit, Zahlungen zwischen Verbrauchern, Händlern und Unternehmen abzuwickeln. "Wir gehen davon aus, dass alles, was wir heute tun, in zehn Jahren kein Geld mehr bringt. Das gilt für alle Industrien, auch für Wirecard. Deshalb setzen wir immer auf das Neue und bauen immer mehr Mehrwertleistungen rund um die Zahlungsabwicklung", sagte Braun dem SPIEGEL.
Wirecard will über die Konzerntochter Boon verzinste Girokonten anbieten, zunächst mit 0,75 Prozent Guthabenzins. "Wir können sogar bis auf 1,0 Prozent hoch", sagte Braun. Entstehen solle "ein Ökosystem aus Dienstleistungen", etwa indem Boon-Kunden über ihr Girokonto Kredite aufnehmen oder Versicherungen abschließen. Die Gewinne aus diesen Zusatzdienstleistungen werde sich Wirecard mit Banken und Versicherern teilen. Mit welchen Partnern Wirecard kooperieren werde, will Braun demnächst bekannt geben. Zahlungsverkehr solle künftig nur noch der Ausgangspunkt sein für andere Dienstleistungen.
Gleichwohl halten sich hartnäckig Zweifel an Wirecards Seriosität. Insbesondere die britische Wirtschaftstageszeitung "Financial Times" ("FT") liefert sich seit Jahren einen Schlagabtausch mit Wirecard um angebliche Scheinumsätze und dubiose Geldflüsse. Wirecard hat die "FT" auf Schadensersatz verklagt, die Zeitung hat nach SPIEGEL-Informationen inzwischen Klageerwiderung beim Landgericht München eingereicht.