Untreueverdacht: Staatsanwälte ermitteln gegen Middelhoff - DER SPIEGEL
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Untreueverdacht Staatsanwälte ermitteln gegen Middelhoff

Die Arcandor-Pleite hat juristische Folgen für den früheren Vorstandschef Thomas Middelhoff: Die Staatsanwaltschaft hat nun offiziell ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue eingeleitet. Der Manager könnte privat davon profitiert haben, dass Karstadt-Kaufhäuser teils unüblich hohe Mieten zahlen.
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Düsseldorf - "Wir haben uns nach einer erneuten Prüfung von Unterlagen entschieden, ein Ermittlungsverfahren einzuleiten", sagte die Essener Oberstaatsanwältin Angelika Matthiesen am Freitag. Bislang hatte sich die Anklagebehörde nur mit Vorermittlungen gegen Middelhoff befasst.

Middelhoff (Archivbild): Verdacht auf Interessenkonflikt

Middelhoff (Archivbild): Verdacht auf Interessenkonflikt

Foto: A3508 Rolf Vennenbernd/ dpa

Hintergrund sind mögliche Verflechtungen mit Immobiliengeschäften des Karstadt-Mutterkonzerns. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries hatte sich besorgt über einen SPIEGEL-Bericht geäußert, in dem es um die Beteiligung von Middelhoff und seiner Ehefrau an Karstadt-Immobilien geht.

Bevor Middelhoff 2004 zur damaligen KarstadtQuelle AG kam, hatten er und seine Frau sich an dem Oppenheim-Esch-Fonds beteiligt, der Karstadt-Immobilien im Portfolio hat. Der Fonds, den der Troisdorfer Immobilienunternehmer Josef Esch konzipiert hatte, kaufte im Jahr 2003 dem damals bereits klammen Karstadt-Konzern fünf Immobilien in Potsdam, Leipzig, München, Karlsruhe und Wiesbaden ab und vermietete sie anschließend für offenkundig horrende Mietzahlungen zurück.

Im Gegenzug gestand Esch zu, später einen Ausgleich an Arcandor   zu zahlen. Dieser Verpflichtung kam er aber später nicht nach. Kritiker lasten Middelhoff an, in seiner Zeit als Arcandor-Chef den Ausgleich nicht eingeklagt zu haben.

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries hatte ihre nordrhein-westfälische Amtskollegin Roswitha Müller-Piepenkötter gebeten, den Vorgang genauer zu prüfen. Das Ministerium hatte das Schreiben von Zypries an die Staatsanwaltschaft Essen weitergeleitet.

In der Vergangenheit hatte es immer wieder Kritik an Middelhoff wegen seines Engagements bei dem Fonds gegeben. Die Beteiligung an dem Fonds der Privatbank Sal. Oppenheim und des Projektentwicklers Josef Esch war auch Thema bei Hauptversammlungen gewesen. Middelhoff hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe stets bestritten. Im Zweifelsfall hätten die Interessen von Arcandor stets Vorrang gehabt.

Der Karstadt-Mutterkonzern Arcandor hatte Anfang der Woche Antrag auf Insolvenz gestellt. Nachdem die Bundesregierung eine Staatsbürgschaft für das Handelshaus abgelehnt hatte.

mik/Reuters/AP