Untreuevorwurf Staatsanwaltschaft ermittelt gegen DaimlerChrysler-Mitarbeiter
Hamburg/Bremen - Im Raum steht der Verdacht der Untreue und der Bestechlichkeit. Sieben Mitarbeiter des DaimlerChrysler-Werks in Bremen sollen Leistungen von Baufirmen für ihre Privathäuser über das Unternehmen abgerechnet haben, bestätigte heute der Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft, Frank Passade, entsprechende Berichte.
"Es gibt zwei Verfahren: Das eine bezieht sich auf Taten im Zeitraum 2000 bis 2003, ein zweites auf das Jahr 2005", sagte Passade zu SPIEGEL ONLINE. Derzeit bestehe ein Anfangsverdacht gegen die Mitarbeiter, beide Ermittlungsverfahren seien im vergangenen Jahr eröffnet worden. Ermittelt werde zudem gegen vier Mitarbeiter der betroffenen Baufirmen.
Die Staatsanwaltschaft sowie die Sprecherin des Bremer DaimlerChrysler-Werks, Kerstin Meckler, bestätigten gegenüber SPIEGEL ONLINE, dass gestern sowohl die Wohnhäuser als auch die Büroräume der Verdächtigen durchsucht wurden. Insgesamt gab es 15 Durchsuchungsbeschlüsse. Die Auswertung von sichergestellten Unterlagen müsse zeigen, ob sich die Vorwürfe erhärten ließen. Das werde noch "eine gewisse Zeit dauern", teilte die Staatsanwaltschaft mit.
Die Bauunternehmen standen nach Angaben der Ermittler in Geschäftsbeziehungen zum Bremer Automobilwerk. Nach Ausführung der Arbeiten in den Häusern der beschuldigten Mitarbeiter seien die Privatleistungen dann DaimlerChrysler in Rechnung gestellt worden und von den Mitarbeitern "als richtig abgezeichnet" und entsprechend bezahlt worden. Bei den Beschuldigten kann es sich somit nicht um einfache Arbeiter handeln. Auf welcher Ebene sie arbeiten, wollten weder DaimlerChrysler noch Staatsanwaltschaft sagen.
Auch zur Größenordnung der veruntreuten Beträge wollte sich Staatsanwaltschafts-Sprecher Passade nicht äußern. "Es gibt aber keine Hinweise darauf, dass ganze Häuser auf Kosten des Unternehmens gebaut wurden", schränkte er auf Nachfrage ein.
Unternehmenssprecherin Meckler erklärte, der Konzern unterstütze die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft. DaimlerChrysler werde sich aber wegen des laufenden Verfahrens nicht zu Einzelheiten äußern.
Der deutsch-amerikanische Autobauer ist seit geraumer Zeit in mehreren Fällen mit Korruptionsvorwürfen gegen Mitarbeiter konfrontiert. Wegen solcher Delikte wurden in der Vergangenheit bereits hochrangige Manager des Deutschlandsvertriebs von DaimlerChrysler entlassen.
In Bremen werden die Mercedes C-Klasse und der CLK sowie der Roadster SLK und SL hergestellt. Das Autowerk ist mit rund 14.800 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber der Hansestadt.
kaz/dpa/Reuters/ddp