US-Airlines Künstliche Profite im Katastrophen-Quartal
Chicago - Eigentlich sehen die Zahlen nicht schlecht aus: 227 Millionen Dollar Nettogewinn trotz Sars, Irak-Krieg und Konjunkturflaute meldete die Fluglinie Northwest am Donnerstag. Nicht übel für ein Unternehmen, das im Vorjahreszeitraum 93 Millionen Verlust schrieb, obwohl damals weder Krieg noch Seuche das Geschäft ruinierten.
Die Zahlen verdecken aber, dass Northwest das schlimmste Quartal seiner Geschichte hinter sich hat. Der Gewinn kam nur zustande, weil die US-Regierung Northwest - wie anderen Airlines auch - Gebühren in Millionenhöhe erstattete, die früher für die Verbesserung der Sicherheitsbedingungen auf Flughäfen gezahlt worden waren. Zudem hat Northwest die Firmentochter WorldSpan verkauft.
Druck auf die Gewerkschaften
Ohne dergleichen Sonderfaktoren käme die Airline netto auf einen Rekordverlust von 160 Millionen Dollar im Quartal. Dass die Kerosin-Preise um 17 Prozent gestiegen sind, hat neben dem Nachfrageeinbruch zu den desaströsen Zahlen beigetragen. "Wir sehen noch immer keine Verbesserung unserer Finanzlage", musste Firmenchef Richard Anderson einräumen. Man wolle die Gewerkschaften nun bewegen, einem Verzicht auf Lohn in Höhe von insgesamt 950 Millionen Dollar zuzustimmen.
Delta Airlines, dem US-Partner der Air France, geht es kaum besser: Operativ stieg der Verlust im Quartal um weitere 75 Millionen Dollar auf 237 Millionen Dollar. Der Umsatz schrumpfte dagegen von 3,474 auf 3,307 Milliarden Dollar. Dank der staatlichen Rückzahlungen und einmaliger Verkaufserlöse kam aber ein Gewinn von 184 Millionen zustande.
Immerhin eine positive Überraschung
Auch Continental, unter den traditionellen US-Airlines noch die gesündeste, hat es nur dank der Rückerstattung von 111 Millionen Dollar wieder in die Gewinnzone geschafft: Der Überschuss belief sich auf 79 Millionen Dollar, nach einem Minus von 139 Millionen Dollar ein Jahr zuvor.
Bei Continental aber funktioniert immerhin das operative Geschäft wieder: Hier erwirtschaftete die Airline ein Ergebnis von 238 Millionen Dollar, nach einem operativen Verlust von 115 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Trotz sinkender Auslastung stieg der Umsatz von 2,192 auf 2,216 Milliarden Dollar - Analysten zeigten sich davon positiv überrascht.
Die Krise der Kunden belastet auch den Flugzeughersteller Boeing. Er will bis Jahresende 4000 bis 5000 Stellen in seiner Zivilluftfahrtsparte abbauen. Der Stellenabbau soll über natürliche Fluktuation, aber auch über Kündigungen erfolgen.