US-Arbeitslosigkeit: Stärkster Anstieg seit 21 Jahren - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

US-Arbeitslosigkeit Stärkster Anstieg seit 21 Jahren

In allen Branchen bis auf den Öffentlichen Dienst ist die Zahl der Arbeitslosen in den USA deutlich stärker gestiegen als befürchtet. Vor allem einkommensschwache Arbeiter werden vor die Tür gesetzt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Washington - Wie das Arbeitsministerium in Washington bekannt gab, stieg die Arbeitslosenquote im Oktober auf 5,4 Prozent, nach einem Stand von 4,9 Prozent im September. Volkswirte hatten nur mit einem Anstieg auf 5,2 Prozent gerechnet.

In den Branchen außerhalb der Landwirtschaft sank die Zahl der Beschäftigten im Oktober insgesamt um 415.000. Auch hier hatten die Experten mit einem deutlich geringeren Rückgang gerechnet und erwartet, dass nur 213.000 verloren gehen würden.

Seit 1980 ist die Zahl der Beschäftigten nicht mehr so stark zurückgegangen wie im Oktober 2001. Besonders "Blue Collar Workers", also Bezieher ohnehin niedriger Einkommen, hätten unter der verschärften Lage gelitten, sagte Katharine Abraham vom US-Arbeitsministerium.

Allein im verarbeitenden Gewerbe fiel die Beschäftigtenzahl im Oktober um 142.000, nach einem Rückgang um 90.000 im September. Seit März sind damit mehr als 800.000 Stellen im verarbeitenden Gewerbe weggefallen.

Schlechte Nachrichten auch bei den Stundenlöhnen: Sie stiegen im Oktober nur minimal um 0,1 Prozent. Auch dieser Anstieg blieb hinter den Erwartungen zurück.

Einbruch bei Industrie-Aufträgen

Ebenfalls am Freitag gab das US-Handelsministerium die Daten über die Auftragslage der Industrie bekannt, die als weiterer wichtiger Konjunkturindikator gelten. Die Fabrik-Auftragseingänge für verarbeitete Güter gingen demnach im September um 5,8 Prozent zurück. Das sei der stärkste Rückgang dieser Auftragseingänge seit Januar, teilte das US-Handelsministerium mit.

Das Niveau der Fabrik-Auftragseingänge habe im September saisonbereinigt 313,15 Milliarden US-Dollar betragen und sei damit das niedrigste seit März 1997, hieß es.

"Das sind keine guten Nachrichten für Amerika", sagte US-Präsident George W. Bush. Die Terroranschläge hätten den Lebensunterhalt der US-Bürger gefährdet. Bush forderte den Kongress auf, ohne Verzögerung ein Programm zur Ankurbelung der Wirtschaft zu verabschieden. Während das Repräsentantenhaus einem Konjunkturpaket im Umfang von rund 100 Milliarden Dollar bereits zugestimmt hat, verhindert ein Parteienstreit bisher die notwendige Zustimmung des Senats. Bush bezeichnete es auch als wichtig, die Arbeitslosenunterstützung auf jene auszuweiten, die unter den Folgen der Terroranschläge litten.

"Wir befinden uns in der Rezession", sagte der Volkswirtschaftler David Wyss. Bereits im vergangenen Monat war die Beschäftigtenzahl nach aktualisierten Angaben um 215.000 gesunken. Im Dienstleistungsbereich gab es den stärksten Einbruch seit 1983, besonders im Tourismus und bei den Fluggesellschaften. In der verarbeitenden Industrie wurden 142.000 Jobs abgebaut. Für den kommenden Monat sagten Analysten eine Arbeitslosenquote von bis zu 6,5 Prozent voraus.