US-Auto-Goliath: 73.000 Arbeiter bestreiken GM - DER SPIEGEL
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US-Auto-Goliath 73.000 Arbeiter bestreiken GM

Das hat dem kriselnden US-Autokonzern GM noch gefehlt: Weil seit Wochen andauernde Tarifverhandlungen nicht vorankamen, hat die Gewerkschaft UAW nun einen Streik begonnen. Beinahe 73.000 Mitarbeiter legten die Arbeit nieder.
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Detroit - Der Streik wurde von Gewerkschaftspräsident Ron Gettelfinger auf einer Pressekonferenz in Detroit bekannt gegeben. Die Sicherung von Arbeitsplätzen war nach Darstellung von Gettelfinger eines der wichtigsten Gewerkschaftsziele und eines der ungelösten Probleme. GM habe die Gewerkschaft in den Streik gedrängt.

Die Gewerkschaft wollte nach seiner Darstellung allerdings noch am Montag wieder an den Verhandlungstisch mit GM zurückkehren. Die GM- Aktien stiegen trotz des Ausstands um 0,97 Prozent auf 35,28 Dollar.

Gettelfinger verwies auf die umfangreichen Konzessionen, die die GM-Mitarbeiter bereits in der Zeit des abgelaufenen vierjährigen Tarifvertrages gemacht hätten. Der Streik hatte begonnen, nachdem zehntägige intensive Verhandlungen keinen neuen Tarifvertrag für die 73 000 US-Arbeiter bei GM gebracht hatten.

GM hatte bei den Verhandlungen weitreichende Konzessionen bei den rasant steigenden Krankenversicherungskosten für die vielen Betriebsrentner, Lohnkonzessionen und andere Zugeständnisse von der Gewerkschaft gefordert. Damit will GM den Abstand bei den Arbeitskosten von 25 bis 30 Dollar je Stunde zu den US-Fabriken von Toyota, Honda und anderer ausländischen Autokonzerne verringern.

Die Gewerkschaft kämpft ihrerseits vor allem um eine Sicherung der Arbeitsplätze. Die UAW vertritt nach zahlreichen Werksschließungen und massivem langjährigen Stellenabbau des Branchenführers nur noch 73 000 GM- Arbeiter. GM verfügt in den USA über 82 Auto- und Teilefabriken sowie andere Betriebe.

Gewerkschaft kann Ausstand lange durchhalten

Die Gewerkschaft hat einen riesigen Streikfonds von 800 Millionen Dollar und zahlt den GM- Arbeitern im Streikfall 200 Dollar pro Woche. Sie kann sich somit einen langen Ausstand leisten. General Motors hat nach Darstellung von Automobilfachleuten Lagerbestände, die den Verkauf für 60 bis 65 Tage abdecken könnten. Ein langer Ausstand könnte den Branchenführer allerdings Milliarden kosten.

GM wollte die 50 Milliarden Dollar Kosten für knapp 340 000 GM- Betriebsrentner und ihre Angehörigen auf einen von der Gewerkschaft zu verwaltenden und von dem Autokonzern teilweise zu finanzierenden Sonderfonds übertragen. Der Fonds war nach Darstellung Gettelfingers allerdings nicht der Streikgrund.

GM hatte mit der Gewerkschaft bereits früher die Schließung von einem Dutzend weiterer Fabriken bis Ende 2008 und die Freisetzung zehntausender Arbeiter vereinbart. Die UAW hatte einen "nationalen" Streik gegen alle amerikanischen GM-Fabriken zuletzt im Jahr 1970 ausgerufen. Zwischenzeitlich waren durch einen langen kostspieligen Streik in zwei wichtigen GM-Fabriken in Flint (US- Bundesstaat Michigan) im Jahr 1998 der größte Teil der amerikanischen GM-Operationen wochenlang lahmgelegt worden. Die Gewerkschaft muss außer mit General Motors auch mit Ford und Chrysler neue, vier Jahre laufende Tarifabkommen aushandeln.

itz/dpa-AFX