US-Autoindustrie: Ford bietet Renault-Chef seinen Posten an - DER SPIEGEL
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US-Autoindustrie Ford bietet Renault-Chef seinen Posten an

Der Ford-Chef Bill Ford hat seinen Posten zur Disposition gestellt und ihn öfffentlich Carlos Ghosn, dem Chef von Renault-Nissan, angeboten. Der amerikanische Autobauer steht vor tief greifenden Veränderungen.
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Hamburg - "Ich versuche immer, Talente von außen ins Unternehmen zu holen", sagte der Chef von Ford im Interview mit dem Magazin "Newsweek". Dies sei unabhängig von der zu besetzenden Position. Der Chef von Renault-Nissan, Carlos Ghosn, sei ein "außerordentliches Talent, das der Firma helfen könnte." Die Frage, ob das auch für seinen eigenen Posten gelte, sagte Ford: "Definitiv." Ford sagte, er stehe in ständigem Kontakt zu Ghosn.

Zuvor hatte das Management des angeschlagenen US-Autobauers Ford die Belegschaft auf eine noch tiefer greifende Umstrukturierung des Konzerns eingestimmt als bislang geplant. "Das Geschäftsmodell, das uns über Jahrzehnte hinweg profitabel gemacht hat, reicht nicht mehr aus", schrieb Konzernchef Ford in einem Brief an die 300.000 Beschäftigten. Er kündigte unter anderem mehr Anstrengungen zum Aufbau interner und Rekrutierung externer Führungskräfte an. Auch nannte er Allianzen mit anderen Autobauern als Option

Bill Ford befindet sich in einer schwierigen Lage, nachdem seine bisherigen Reformanstrengungen keine greifbaren Resultate gezeigt haben. Der drittgrößte Autokonzern der Welt fuhr im ersten Quartal einen Nettoverlust von 1,45 Milliarden Dollar (1,13 Milliarden Euro) ein. Im Januar hatte Bill Ford seinen Sanierungsplan für den Konzern vorgestellt. Demnach sollen in den nächsten sechs Jahren in Nordamerika bis zu 30.000 Arbeitsplätze gestrichen und 14 Werke geschlossen werden. Im August kündigte das Unternehmen dann an, dass es seine Produktion in Nordamerika im vierten Quartal um 21 Prozent zurückfahren werde.

In seinem Schreiben suchte der Konzernchef die Belegschaft nun auf möglicherweise noch weiterreichende Einschnitte einzustimmen. Dies sollten jedoch keinesfalls "Tage der Angst" sein, betonte er zugleich in Anspielung auf Pressekommentare. Wo Kritiker Probleme sähen, sehe er auch Chancen, zitierte die "Financial Times Deutschland" aus dem Brief. Berichten zufolge soll Ford bereits mit Ghosn über eine Zusammenarbeit gesprochen haben. Ghosn bemüht sich derweil jedoch, eine Kooperation mit dem Ford-Konkurrenten General Motors (GM) zustande zu bringen. Der gebürtige Brasilianer Ghosn gilt als einer der erfolgreichsten Sanierer der Autobranche.

In den USA wird auch darüber spekuliert, dass die Ford-Familie den Konzern wieder von der Börse holen könnte. Damit würde Bill Ford das Unternehmen umstrukturieren können, ohne auf die Interessen von Aktionären Rücksicht nehmen zu müssen. Ford leidet ebenso wie GM vor allem unter einem Absatzeinbruch auf dem nordamerikanischen Markt. Beide Unternehmen hatten dort zu lange auf die Geländefahrzeuge SUV (Sport Utility Vehicle) gesetzt. Die Nachfrage nach diesen Spritfressern ist wegen der hohen Benzinpreise aber in den USA zuletzt stark gesunken, wovon vor allem die japanische und südkoreanische Konkurrenz mit ihren sparsamen Modellen profitiert.

kaz/dpa-AFX/AFP