US-Autoindustrie GM will Delphi-Werke zurückkaufen
New York - Das Geschäft erscheint zunächst wenig einleuchtend. Die Opel-Mutter GM hatte den Zulieferer, der zu den größten weltweit zählt, vor rund zehn Jahren aus dem Konzern ausgegliedert - und seither mit Milliardensummen gestützt. Delphi quält sich seit Jahren mit seiner Sanierung herum und steht bereits seit Herbst 2005 unter Gläubigerschutz.
Gleichwohl hat GM gute Gründe, mit Delphi zu verhandeln. Denn es geht um zusätzliche Kredite in Milliardenhöhe aus dem Rettungstopf der Regierung, wie das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Insider berichtet. Als getrennte Gesellschaft habe Delphi derzeit keine Aussicht auf eine Tranche aus den Staatshilfen für die Autobranche. Im Fall einer Teilübernahme durch GM bekäme der Zulieferer aber womöglich Zugang, berichtet die Zeitung.
Im Zentrum der Gespräche stehe die Übernahme von fünf Delphi-Werken, die ausschließlich Teile für GM produzierten. Die Gläubigervertreter des Zulieferers forderten mindestens zwei Milliarden Dollar für die zur Diskussion stehenden Delphi-Werke in denen ausschließlich Teile für GM gefertigt werden. Insgesamt gehe es um rund 20 Prozent der Delphi-Umsätze. GM allerdings hofft der Zeitung zufolge, deutlich weniger oder gar nichts bezahlen zu müssen - und beruft sich dabei auf frühere Vereinbarungen mit Delphi.
Käme das Geschäft zustande, hätte dies noch einen weiteren Vorteil für GM: Nach Informationen des "WSJ" plant der Konzern, die Schließung einiger Delphi-Werke in seinen Sanierungsplan mit einzubeziehen. Zurzeit stehen neun GM-Werke zur Disposition. Die Belegschaft soll von 96.000 auf unter 65.000 Mitarbeiter sinken.
Sprecher beider Unternehmen wollten sich auf Anfrage der Zeitung nicht konkret zu dem Bericht äußern. GM und Chrysler können derzeit nur mit staatlichen Notkrediten überleben. Zugesagt und zum Teil ausgezahlt sind bislang insgesamt 17,4 Milliarden Dollar. Beide Konzerne rechnen mit weiterem Bedarf.
Bis zum 17. Februar müssen sie der Regierung einen Plan für ihre Überlebensfähigkeit präsentieren und dafür bis Ende März auch konkrete Belege bringen. Die Regierung fordert unter anderem niedrigere Löhne auf dem Niveau ausländischer Hersteller und einen Abbau der Schulden.
Neben den Autobauern verlangte in der vergangenen Woche auch die US-Zulieferindustrie Staatshilfen. Die Forderungen summieren sich nach Medienberichten auf 25,5 Milliarden Dollar an Krediten und Garantien. Andernfalls sind nach Angaben eines US-Zuliefererverbands mit 400 Unternehmen der Branche viele Firmen von der Pleite bedroht.