US-Automarkt Glänzender August für deutsche Konzerne
Detroit - Vielleicht lag es an den ungewöhnlich umfangreichen Garantieprogrammen, vielleicht gab es nach langer Kauf-Zurückhaltung auch einfach einen starken Nachholbedarf: Die Chrysler-Gruppe hat im August 210.855 Fahrzeuge verkauft und ihr Ergebnis gegenüber dem August 2001 damit um erstaunliche 24 Prozent gesteigert. Während die Zahl der verkauften Minivans nur um acht Prozent stieg, wurden 25 Prozent mehr Pkw und 27 Prozent mehr Sport-Utility-Vehicles (SUVs) verkauft. Damit lag Chrysler noch vor dem Konkurrenten Ford, der den Absatz seiner Pkw-Marken Lincoln, Mercury und Ford um 12,2 Prozent steigern konnte.
Fast undramatisch sah das Ergebnis im Vergleich für die Marke Mercedes-Benz aus: Der August-Absatz stieg auf 18.348 Wagen, nach 18.248 im vergangenen August. Gleichwohl hat sich die DaimlerChrysler-Aktie nach Veröffentlichung der Zahlen am Mittwochabend an die Spitze des Dax gesetzt und zuletzt 3,5 Prozent auf 41,27 Euro gewonnen. Der Dax stieg gleichzeitig um 0,6 Prozent auf 3419 Zähler.
Mit einem Plus von 2,75 Prozent war Volkswagen der zweitbeste Dax-Wert. Der Wolfsburger Konzern hat nach eigenen Angaben im August in den USA 34.810 Wagen verkauft - das sei das zweitbeste Ergebnis seit 1973, hieß es in einer Mitteilung. Gegenüber dem Juli sei das Ergebnis um 8,4 Prozent gestiegen. Allerdings sind die VW-Absatzzahlen gegenüber dem außerordentlich guten August 2001 leicht zurückgegangen - damals kauften die Amerikaner 38.728 VWs. Bei der VW-Tochter Audo stieg der US-Absatz auf 7707 Fahrzeuge - im August 2001 waren es 7458. In den ersten acht Monaten des Jahres wurden insgesamt aber 2,8 Prozent weniger Autos abgesetzt als im Vorjahr.
Auch der Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche gibt sich erfreut über sein August-Geschäft in den USA und Kanada. In beiden Ländern seien 2068 Exemplare der Modelle 911 und Boxster ausgeliefert worden, das sei ein Zuwachs von acht Prozent gegenüber dem August 2001. Der Verkauf des 911 habe mit 1152 einen neuen August-Rekord erreicht und den Verkauf im Vorjahresmonat um 40 Prozent übertroffen.
BMW North America konnte, ebenso wie der Edel-Konkurrent Mercedes, den Absatz nur um 0,4 Prozent auf 155.951 Wagen steigern. Die BMW Group, zu der auch die Marke Mini gehört, steigerte die Verkaufszahlen aber um 17 Prozent auf 22.315 Pkw. Die BMW-Aktie notierte allerdings bei 35,35 Euro, ein Minus von 1,6 Prozent - und dies, obwohl Analysten des Investmenthauses Morgan Stanley das Kursziel für die Aktie am Mittwoch auf 50 Euro gesetzt und ihre positive Bewertung bekräftigt hatten.
Belastend könnte sich ausgewirkt haben, dass die US-Verkehrssicherheitsbehörde eine technische Überprüfung von BMW der 3er-Reihe eingeleitet hat. In etwa 200 in den USA registrierten Fällen hätten sich die Seitenairbags ohne vorangegangenen Unfall ausgelöst, sagte ein BMW-Sprecher. Betroffen seien potenziell bis zu 204.000 Wagen, die in der Zeit von April 1999 bis April 2001 hergestellt wurden.