US-Börsen Kurse an der Wall Street explodieren
New York - Gute Nachrichten von der wichtigsten Börse der Welt: In Erwartung weiter sinkender Zinsen in den USA ist es an der Wall Street am Dienstag zu einer regelrechten Kursexplosion gekommen. Der Dow-Jones-Index legte nach vorläufigen Berechnungen um 889,35 Punkte oder 10,88 Prozent zu auf 9.065,12. Dies ist nach Punkten der zweithöchste Tagesgewinn in der Geschichte der New York Stock Exchange. Der höchste war am 13. Oktober mit 936 Punkten.
Börsenhändler in New York: Vorfreude auf erwartete Zinssenkung
Foto: APDer Index der Technologiebörse Nasdaq Stock Market kletterte um 143,57 Punkte oder 9,53 Prozent auf 1.649,47 Zähler. Der marktbreite S&P-500-Index gewann 10,79 Prozent auf 940,50 Zähler.
Anleger seien wieder risikofreudiger und hätten bei den zuletzt deutlich gefallenen Dividendentiteln ordentlich zugegriffen, sagten Händler. Richtig in Fahrt kamen die Börsen allerdings erst in den beiden letzten Handelsstunden, zuvor hatten sich die Indizes erneut auf einer Berg- und Talfahrt befunden. Negative Konjunkturdaten wurden Marktteilnehmern zufolge ignoriert, die Anleger setzten vielmehr auf weitere Leitzinssenkungen durch die US-Notenbank.
Die US-Notenbank kam am Dienstag zu einer zweitägigen turnusmäßigen Sitzung zusammen. Beobachter rechnen damit, dass die Währungshüter angesichts der Finanzkrise und der deutlichen Konjunkturabkühlung den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 1 Prozent senken dürften.
An der Dow Jones-Spitze liegt Alcoa
Alcoa sprangen mit einem Aufschlag von 19,25 Prozent auf 10,78 US-Dollar an die Spitze des Dow Jones. Händler verwiesen auf die wieder steigenden Rohstoffpreise als Grund für die Gewinne bei dem Aluminiumkonzern. Auch Ölkonzerne wie ExxonMobil (+13,27 Prozent auf 74,86 Dollar) und Chevron (+13,47 Prozent auf 70,02 Dollar) gehörten zu den größten Gewinnern.
Boeing legte als zweitbester Indexwert um 15,46 Prozent auf 48,91 Dollar zu. Bei dem Flugzeugbauer ist nach fast zwei Monaten ein Ende des teuren Mechaniker-Streiks in Sicht. Das Unternehmen und die Gewerkschaft der 27.000 Mechaniker einigten sich in der Nacht zum Dienstag auf einen neuen Tarifvertrag. Die Mitarbeiter müssen die Vereinbarung nun noch in einer Abstimmung billigen, die auf die kommenden Tage angesetzt werden soll.
General Motors (GM) gewannen 14,68 Prozent auf 6,25 US-Dollar. Die US-Regierung bereitet laut einem Zeitungsbericht einen Milliardenkredit für den angeschlagenen Autohersteller vor. Der Opel-Mutterkonzern könnte etwa fünf Milliarden Dollar bekommen, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf informierte Quellen. Das Geld käme aus dem zugesagten Paket von 25 Milliarden Dollar für die Entwicklung sparsamerer Autos.
Weltgrößter Haushaltsgeräte-Hersteller bricht ein
Aber nicht alle Aktien endeten an diesem Handelstag im positiven Terrain. So brachen Whirlpool um 8,32 Prozent auf 45,87 Dollar ein. Der weltweit größte Hersteller von Haushaltsgeräten hatte seine Prognosen für das laufende Jahr gesenkt. Das Unternehmen rechnet nun mit einem Gewinn je Aktie von 5,75 bis 6,00 Dollar je Aktie. Bisher hatte die Voraussage bei 7,00 bis 7,50 Dollar gelegen. Grund sind höher als erwartete Kosten für Restrukturierungen.
An der Nasdaq legte Google getrieben von einer positiven Analystenäußerung um 11,89 Prozent auf 368,67 Dollar zu. Händlern zufolge haben die Credit Suisse -Experten die Beobachtung für den Internetwert mit "Outperform" und einem Ziel von 400 Dollar aufgenommen.
Der US-Rentenmarkt entwickelte sich leichter. Richtungweisende zehnjährige US-Staatsanleihen verloren 1 9/32 Punkte auf 101 6/32 Zähler. Die Rendite stieg auf 3,850 Prozent. Der Euro kletterte über 1,27 US-Dollar und kostete zuletzt 1,2710 Dollar.
Dax spielt wegen VW verrückt
In Deutschland wurde durch den einmaligen Höhenflug der VW-Aktie am Dienstag den zweiten Tag in Folge der Dax auf den Kopf gestellt. Zugleich wurde Kritik an der Deutschen Börse und dem künftigen Volkswagen -Eigentümer Porsche lauter. Die Aktie schoss zum Handelsschluss um 81,73 Prozent auf 945,00 Euro hoch. Schon am Vortag war sie um fast 147 Prozent gestiegen.
Unter Druck gerieten vor allem Finanzwerte. Zu den größten Verlierern zählten die Titel der Deutschen Bank und der Commerzbank , die mehr als 13 Prozent einbüßten. Auch in Europa waren viele Aktien von Banken und Versicherern nicht gefragt: Die zehn größten Verlierer im Stoxx50 waren Finanztitel. Nach einer Herabstufung durch die Ratingagentur Fitch geriet besonders die ING -Aktie unter Druck. Sie führte mit einem Abschlag von 13,4 Prozent die Reihen der Verlierer an.
Auch SAP standen am Abend mit einem Minus von 4,6 Prozent auf der Verliererseite, nachdem der Titel im Laufe des Tages mehrmals die Richtung gewechselt hatte. Dabei waren die vorgelegten Quartalszahlen Analysten zufolge etwas besser als erwartet ausgefallen. Auch dass der Konzern seine Gewinnprognose für 2008 senkte, sei keine Überraschung gewesen, sagten Experten. Die Zahlen von Lufthansa wurden ebenfalls nicht mit Kursgewinnen honoriert: Nach Veröffentlichung der Ergebnisse und einer Gewinnwarnung für 2008 schloss der Titel der Fluggesellschaft 8,7 Prozent niedriger.
Trotzdem standen einige Aktien auf der Gewinnerseite: Hypo Real Estate stiegen um über elf Prozent, und Fresenius Medical Care schlossen 4,4 Prozent höher. Im Rest von Europa waren vor allem Rohstofftitel gefragt. Angesichts positiv beurteilter Quartalszahlen zogen die BP-Aktien um 5,4 Prozent an; Total Fina Elf stiegen um über sechs Prozent. Dem Stoxx50 der größten börsennotierten Unternehmen aus Europa verhalf das zu einem Plus von 0,2 Prozent auf 2062 Zähler.
Doch in deutlich besserer Form zeigte sich der EuroStoxx50: Beflügelt von der VW-Aktie, die zwar im EuroStoxx50, aber nicht im Stoxx50 enthalten ist, schloss der Index der 50 größten Unternehmen der Euro-Zone 3,9 Prozent höher bei 2382 Punkten.
flo/AP/dpa/Reuters