US-Börsenaufsicht Wall-Street-Legende wird SEC-Chef
Washington - Der 71-jährige Donaldson soll das durch Bilanzskandale erschütterte Vertrauen der Anleger in die US-Wirtschaft wiederherstellen. Er löst den glücklosen Harvey Pitt ab, der nach heftiger Kritik an seiner Amtsführung im November seinen Rücktritt angekündigt hatte.
"Donaldson ist eine starke Führungspersönlichkeit, die die Gesetze unseres Landes gegen Unternehmerkorruption energisch durchsetzen wird", kündigte Bush im Weißen Haus an. Der erzkonservative Pitt hatte bei seinem Amtsantritt noch eine "liebenswürdigere" SEC angekündigt. Kritiker warfen ihm vor, die nötige Distanz zu seinen ehemaligen Kunden vermissen zu lassen. Pitt war lange Rechtsanwalt für genau jene Wirtschaftsprüfer, deren Überwachung er als SEC-Chef zu verantworten hatte.
Wall-Street-Kabinett
Donaldson, der vom Senat noch bestätigt werden muss, arbeitete zuletzt für Aetna, die größte private US-Krankenkasse. Er leitete Anfang der Neunziger Jahre die New Yorker Börse und war der erste Direktor der Schule für Management an der Yale-Universität. In den Siebziger Jahren war er unter dem damaligen Außenminister Henry Kissinger Staatssekretär im Außenministerium. Ferner war er einer der Gründer der Investmentbank Donaldson, Lufkin & Jenrette.
Einen Tag zuvor hatte Bush den Eisenbahnunternehmer John Snow zum neuen Finanzminister ernannt. Dessen Vorgänger Paul O'Neill war am Freitag nach einer Serie verbaler Ausrutscher entlassen worden. Für den gleichzeitig entlassenen Wirtschaftsberater Lawrence Lindsey ist als Nachfolger der ehemalige Co-Vorsitzenden der Investmentbank Goldman Sachs, Stephen Friedman, im Gespräch.