US-Computerhersteller: Michael Dell schreibt bittere E-Mail an seine Mitarbeiter - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

US-Computerhersteller Michael Dell schreibt bittere E-Mail an seine Mitarbeiter

Kaum ist Michael Dell wieder zurück an der Spitze des von ihm gegründeten Computerkonzerns, kracht es: Dell kritisiert per E-Mail die Leistung des Unternehmens und kündigt Sparmaßnahmen an. Als erstes sollen Sonderzahlungen wegfallen. Außerdem hat Dell eine Klage am Hals.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Auf ihre Sonderzahlungen für das Jahr 2006 werden die Dell  -Mitarbeiter wohl vergeblich warten - Michael Dell hat ihnen jetzt eine E-Mail geschickt, in der er die Streichung aller Boni sowie einiger Managerposten ankündigt. Derzeit gebe es mehr als 20 Topmanager in dem US-Konzern, künftig werde es zwölf geben. Das Geschäftsjahr habe "mit großen Anstrengungen, aber ohne große Erfolge" geendet. "Das ist enttäuschend und es ist inakzeptabel", lässt Dell seine Mitarbeiter in dem Schreiben wissen - und kündigt zugleich an, dass er wohl die kommenden Jahre Chef des Konzerns bleiben werde.

Dell war erst am Mittwoch vergangener Woche an die Spitze des von ihm gegründeten Unternehmens zurückgekehrt und ersetzte Kevin Rollins an der Konzernspitze, nachdem das US-Unternehmen einbrechende Gewinne und Marktanteile zu verzeichnen hatte. Nach Angaben der Technologie-Marktforschungsunternehmen IDC und Gartner hatte Dell seine weltweite Nummer-eins-Position der Computerhersteller an den Konkurrenten Hewlett-Packard   verloren.

Dell-Sprecher Bob Pearson bestätigte heute, dass Dell die E-Mail, aus der heute mehrere US-Zeitungen zitieren, am Freitag an die Mitarbeiter geschickt hat. Der Firmenchef verspricht ihnen darin, dass der Wegfall der Sonderzahlungen für 2006 durch überdurchschnittliche Gehaltserhöhungen kompensiert würde. "Wir haben großartige Leute, aber wir haben auch einen neuen Feind: Bürokratie, die uns Geld kostet und uns langsam macht." Dell schreibt, dass die Bürokratie aus dem Unternehmen heraus entstanden und nun zu beseitigen sei.

Heiße Akkus, Konkurrenz aus Asien, Schmiergeld von Intel

Dell kämpft seit einigen Jahren gegen Konkurrenz aus Fernost, die ähnlich leistungsfähige Rechner zu günstigeren Preisen anbietet. Die Verkaufszahlen bei Dell sind in Folge dieser Entwicklung gesunken. Vergangenes Jahr musste der Computerhersteller rund 4,2 Millionen Notebooks mit Akkus der Marke Sony   zurückrufen, weil diese sich entzünden konnten; erstmals seit der Firmengründung 1984 sanken die Gewinne.

Vergangene Woche wurde zudem eine Gemeinschaftsklage gegen Dell eingereicht, weil das Unternehmen im Gegenzug für die Verwendung von Intel  -Prozessoren jährlich eine Milliarde Dollar von dem Prozessorhersteller kassiert haben soll. Dell habe sich dafür verpflichtet, keine Prozessoren des Intel-Konkurrenten AMD   zu verwenden. Beobachter rechnen nun mit einer separaten Klage von AMD. Dell will sich hierzu nicht äußern.

Die Buchhaltungspraxis bei Dell wird derzeit von amerikanischen Bundesbehörden überprüft. Ein Staatsanwalt aus New York hat dem Fernsehsender CNN zufolge Dokumente beschlagnahmen lassen, die Aufschluss über die Erstellung der Geschäftsberichte von 2002 bis heute geben sollen.

"Wir haben einige schwierige Quartale vor uns", schreibt Dell in seinem elektronischen Rundschreiben. "Wir sind nicht über Nacht in diese Lage geraten und wir werden auch nicht über Nacht wieder aus dieser Situation herauskommen."

kaz