US-Expansion Deutsche Bank zieht ins WTC-Quartier
New York - 60 Wall Street - so lautet die neue Adresse der größten deutschen Bank, die damit ihre Expansion in Amerika fortsetzt. Immerhin 47 Stockwerke hoch ist das Gebäude, das von J.P. Morgan Chase an die Deutschen verkauft wurde und nur wenige Gehminuten vom "Ground Zero" entfernt liegt. Die Transaktion wurde über die Feiertage besiegelt.
Eigentlich fügt sich der Neukauf der Frankfurter in ihre jüngste US-Expansionsstrategie ein - war doch die Aktie der Deutschen Bank im Oktober erstmals an der New Yorker Börse NYSE notiert worden. Lang geplant war der Schritt sowieso: Verkäufer und Käufer hatten ihn im Juni angekündigt. Allerdings: Nach einem Bericht der "New York Post" hatten die Deutschen noch die Option, sich aus dem Immobilien-Deal zurückzuziehen.
Das haben sie nicht getan - trotz der Terroranschläge des 11. September, in deren Folge viele US-Finanzhäuser in die Mitte Manhattans oder in den Bundesstaat New Jersey abgewandert sind. Die Technologiebörse Nasdaq gab zwar am Donnerstag bekannt, sie wolle wieder zurück ins Finanzquartier ziehen - aber nur vorübergehend.
Kein Trommelwirbel, keine Werbeoffensive begleitet den Umzug der Deutschen von Midtown ins neue Hauptquartier nach Süd-Manhattan. Das steht in deutlichem Kontrast zum Verhalten des Kreditkarten-Konzerns American Express: Er hat weitschweifig für seinen Beschluss geworben, seine Heimat erneut in der Umgebung des World Trade Center zu suchen.
So herrscht auch Stillschweigen über den Kaufpreis für das repräsentative Hauptquartier. Die US-Datenbank CoStar beziffert den Kaufpreis mit 610 Millionen Dollar. Ein Immobilienexperte sagte der "New York Post" dagegen, wahrscheinlich habe das Gebäude 650 Millionen Dollar gekostet. Die Deutsche Bank habe zugleich die Möbel und die elektronische Infrastruktur von J.P. Morgan Chase erworben. Nach einer neuen Regelung der städtischen Entwicklungsbehörde, die Ansiedelungen in Manhattan fördern will, werden bei der Transaktion keine Verkaufssteuern fällig.
Eine Sprecherin der Deutschen Bank New York war nicht zu erreichen, um den Kaufpreis zu bestätigen.