US-Finanzinvestor Blackstone steigt bei Telekom ein
London - Rund 2,7 Milliarden Euro wird der US-Finanzinvestor für das Paket von rund 191,7 Millionen Aktien bezahlen, wie die KfW mitteilte. Der Kaufpreis von 14 Euro sei ein Aufschlag von 2,6 Prozent gegenüber dem Freitagsschlusskurs. Die Aktienzahl entspreche 4,5 Prozent des gesamten Telekomkapitals. Der Anteil der Förderbank an der Telekom sinkt damit auf 17,3 Prozent.
Mit der Nachricht bestätigte die Bank einen entsprechenden Bericht der "Financial Times Deutschland". Erwartet werde, dass Blackstone auch ein Aufsichtsratsmandat bei der Telekom erhält, berichtete das Blatt außerdem.
Die Wahl von Blackstone zeigt, dass der Bund bei der geplanten Restrukturierung seiner Industriebeteiligungen auf ausländisches Kapital nicht verzichten kann. "Die Bundesregierung arbeitet offensichtlich deshalb mit den Beteiligungsgesellschaften zusammen, weil sie ausländisches Kapital anlocken will", sagte eine mit der Situation vertraute Person der "FTD". "Das ist eine großartige Botschaft."
Für Blackstone ist der Einstieg bei der Telekom ein ungewöhnlicher Schritt. Die Beteiligungsgesellschaft ist normalerweise an Minderheitsbeteiligungen nicht interessiert und versucht stattdessen, Kontrollmehrheiten zu erwerben. Als denkbar gelte jedoch, dass der US-Investor seine Beteiligung am Konzern ausbaut, sollte die Bundesregierung weitere Anteile zum Verkauf stellen. Blackstone soll die Deutsche Telekom für unterbewertet im Vergleich zu europäischen Wettbewerbern halten.
Blackstone war der "FTD" zufolge nicht der einzige Finanzinvestor, der um Anteile bei der Telekommunikationsgesellschaft geboten habe. So hätten auch Apax, Kohlberg Kravis Roberts (KKR), Providence Equity, Cinven, Apollo Management und Silver Lake Partners Angebote abgegeben haben. Im europäischen Beirat des Finanzinvestors sitze auch der ehemalige Telekom-Chef Ron Sommer. Angesichts der Brisanz des Geschäfts gelte es jedoch als unwahrscheinlich, dass Sommer bei den Gesprächen eine aktive Rolle gespielt hat.
Das Geschäft könne die im vergangenen Jahr ausgelöste "Heuschrecken"-Diskussion erneut anfachen. Der damalige SPD-Parteivorsitzende Franz Müntefering hatte Finanzinvestoren mit Heuschrecken verglichen, die über Unternehmen herfallen und diese aussaugen. Entsprechende Sorgen um das vermeintlich rein renditeorientierte Verhalten der neuen Anteilseigner versuchte die KfW von vorneherein zu entkräften: Der Bund halte weiterhin 15,2 Prozent am Telekomkonzern, hieß es. "Damit bleiben Bund und KfW zusammen die größten Aktionäre der Telekom", sagte eine KfW-Sprecherin. Der Finanzinvestor habe zudem einer zweijährigen Haltedauer für die von ihr erworbenen Anteile zugestimmt. Die KfW, die regelmäßig Telekom-Aktien für den Bund platziert, muss laut Vereinbarung ihre weiteren Anteilsscheine nun mindestens ein Jahr halten.
ase/Dow Jones/Reuters/dpa