US-Fluggesellschaften: Der Fluch der Bonusmeilen - DER SPIEGEL
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US-Fluggesellschaften Der Fluch der Bonusmeilen

Mit Bonusmeilen wollten die US-Fluggesellschaften ihren Gästen Verspätungen versüßen. Nach Schneechaos und Unwettern drohen die Kosten dafür jetzt zu explodieren.
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Washington - Es ist ein Werbeversprechen der typisch amerikanischen Art: "Wenn wir nicht liefern können, was wir versprochen haben, dann entschädigen wir Euch reichlich". Es könnte auch billig sein - wenn alles glatt läuft. Lief es aber nicht, in den letzten Wochen. Und deshalb fällt es der Fluggesellschaft US Airways umso heftiger auf die Füße.

Wie die "Washington Post" berichtet, hatte US Airways ihren Passagieren, wie die anderen Unternehmen der krisengeschüttelten US-Luftfahrt auch, bei Stornierungen oder Verspätungen Freimeilen als Entschädigung zugesagt. Was als Ausnahme gedacht war, um die skeptischen Kunden bei der Stange zu halten, wurde in den Unwettern der vergangenen Wochen jedoch zur Regel, die Bonusmeilen-Ausschüttung stieg inflationär.

Konkret geht es um ein Vielflieger-Programm für Pendlerflüge zwischen New York, Boston und Washington. Darin werden Flüge, die sich mehr als fünf Minuten verspäten, mit 1500 Bonusmeilen versüßt. Für Stornierungen werden gar 10.000 Meilen gut geschrieben.

Einen Monat nach ihrem Antrag auf Gläubigerschutz im Insolvenzverfahren hatte die Fluggesellschaft im September vergangenen Jahres das Bonusmeilen-Programm gestartet, um die Konkurrenz in Schach zu halten. Zunächst schien die Rechnung auch aufzugehen: In den fünf Monaten vor dem President’s Day am 17. Februar hatten nur 2800 Reisende den Zehntausend-Meilen-Jackpot geknackt.

Doch der Blizzard am President’s-Day-Wochenende am 20. Februar - der heftigste Schneesturm seit elf Jahren - versetzte den US-Airways-Strategen einen derben Tiefschlag. An jenem Blizzard-Wochenende ließen sich die gefrusteten Passagieren fast doppelt so viele Bonusmeilen gutschreiben wie geplant - ingesamt mehr als 26 Millionen Bonusmeilen, berichtet die "Post".

Die ebenfalls in Finanznöten steckende Konkurrenz wie Delta Airlines und American Airlines hatte Glück. Ihre Angebote sind zum Jahresende bereits ausgelaufen, eine Neuauflage ist nicht geplant. Die seit dem 11. September verheerende wirtschaftliche Situation in der US-Luftfahrtbranche lässt derlei Sperenzchen und eine Abhängigkeit von der Großwetterlage nicht zu. Die weltgrößte Fluggesellschaft American Airlines hat im vergangenen Jahr mit 3,5 Milliarden US-Dollar den größten Verlust in der Geschichte des Luftverkehrs eingeflogen. Delta Airlines geht es seit den Terroranschlägen so schlecht, dass insgesamt 21.000 Stellen zur Disposition stehen. US Airways hält allerdings an dem Programm fest – trotz Konkursverfahren und Sparzwang in Milliardenhöhe. "Bei unseren Kunden kam das Angebot sehr gut an“, verkündete US-Airways-Sprecherin Amy Kudwa. Nach Angaben der Fluglinie wiegt der Imagegewinn die finanziellen Verluste bei weitem wieder auf. Zumindest bis zum 31. März soll das Programm aufrecht erhalten werden. Dann folgt mit dem Abschluss des Insolvenzverfahrens die Generalabrechnung.

Ob das Programm fortgesetzt wird, wenn US-Airways das Verfahren übersteht, steht derzeit noch in den Sternen. Fachleute sich jedoch sicher, dass auch solche eine Idee nur kommen könnte, der das das Unternehmen mutwillig beschädigen will: Im Frühling wird die Ostküste der USA fast alljährlich von Unwettern heimgesucht.