US-Kongress Ex-Enron-Chef verweigert die Aussage
Washington - Kenneth Lay will nicht mehr vor einem Kongressausschuss aussagen. Wie sein Anwalt am Sonntagabend in einem Brief an die Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses mitteilte, wird der frühere Enron-Chef nicht zu Anhörung erscheinen, die für Montag angesetzt war. Lay ließ seine Absage mit der vorgefassten Meinung einiger Kongressmitglieder. Deren "aufrührerische Aussagen" hätten deutlich gemacht, dass die Anhörung den "Tenor einer Anklage haben werde", schrieb der Anwalt Lays.
Mehrere Kongressmitglieder hatten am Sonntag in Fernsehinterviews gesagt, dass sie die Anklage einiger Enron-Manager wegen der größten Firmenpleite in der US-Geschichte befürworten. In Washington wurde erwartet, dass der Ausschuss Lay nun unter Strafandrohung zu einer Aussage vorladen wird.
Die Absage Lays kam einen Tag nach Bekanntwerden eines internen Enron-Prüfberichts, nach dem der Konzern im Jahr vor dem Zusammenbruch den Gewinn manipuliert und um fast eine Milliarde Dollar aufgebläht hat. Die Transaktionen, die zu dem Zusammenbruch der Gesellschaft geführt hatten, seien durch eine fehlerhafte Idee, Mitarbeiterbereicherung, unzureichende Kontrollen, schlechte Durchführung, sorglose Überwachung sowie Buchführungsfehler entstanden, hieß es.
Insgesamt neun Kongressausschüsse untersuchen den größten amerikanischen Firmenbankrott. Sie sollen auch klären, ob und in welchem Ausmaß Enron Einfluss auf Entscheidungen der US-Regierung hatte.