US-Konjunktur Beängstigend gut
New York - Lange haben Investoren auf die Konjunkturerholung gewartet. Nun ist sie da, und Börsianer treibt schon eine neue Sorge um: Angesichts der Serie von positiven Daten dürfte es Notenbank-Chef Alan Greenspan immer schwerer fallen, den Spagat zwischen niedrigen Zinsen und steigender Wirtschaftsaktivität auszuhalten. Immer mehr Beobachter rechnen damit, dass Greenspan die Zinsen von derzeit 1,0 Prozent noch in diesem Jahr anhebt.
Am Freitag folgte ein weiteres Signal für eine Zinswende. Die Auftragseingänge der Industrie für langlebige Güter sind im März um 3,4 Prozent und damit deutlich stärker als erwartet gestiegen. Volkswirte hatten lediglich mit einem Anstieg um 1,1 Prozent gerechnet. Zudem wurde der Wert für den Monat Februar von 2,5 Prozent in der Erstschätzung auf 3,8 Prozent nach oben revidiert.
Die Exporte langlebiger Güter kletterten um 3,2 Prozent. Dies war der größte Anstieg in den vergangenen zwei Jahren.
Dow Jones fällt, Dollar klettert
Der US-Industrieindex Dow Jones quittierte die Nachricht mit Kursabschlägen. "Die Zahlen haben Spekulationen genährt, dass eine Zinserhöhung eher früher als später kommt", sagte Volkswirt Guido Zimmermann von der DekaBank. Steigende Zinsen sind Gift für die Börse, da sie Investitionen der Unternehmen verteuern und festverzinsliche Papiere im Vergleich zu Aktien attraktiver machen.
Profitieren konnte dagegen der Dollar. Er stieg am Nachmittag auf 0,841 Euro. Der Euro drohte damit zeitweise unter die Marke von 1,18 US-Dollar zu fallen. Im Februar hatte die Gemeinschaftswährung noch über 1,28 US-Dollar notiert.
Deutliche Preissteigerung in Deutschland
Kaum Einfluss auf den Wechselkurs hatte nach Einschätzung des Ökonomen der beschleunigte Preisauftrieb in Deutschland, der größten Volkswirtschaft der Eurozone. Teures Benzin und ein Preisschub bei rezeptfreien Medikamenten hatten die Jahresteuerungsrate im April auf 1,6 Prozent getrieben. Das ist der höchste Stand seit zwei Jahren.
Impulse für den Devisenmarkt erwartet Zimmermann von der Veröffentlichung des viel beachteten ifo-Geschäftsklimas an diesem Montag. "Sollte der ifo-Index zum dritten Mal in Folge fallen, wird das die Diskussion um eine Zinssenkung durch die EZB neu entfachen." Das G-7-Treffen am Wochenende sollte keine großen Auswirkungen auf den Devisenmarkt haben, hieß es weiter.