US-Konjunktur Fabius erwartet harte Landung
Washington/Paris - Der französische Finanzminister Laurent Fabius befürchtet, dass die US-Konjunktur vor einer harten Landung steht. Die Auswirkungen dieser Entwicklung dürften auch deutlich in Europa zu verspüren sein, sagte Fabius bei einer Pressekonferenz in Paris. Frankreich werde sich im Zuge der globalen Abschwächung allerdings relativ robust präsentieren. Fabius unterstrich dabei die Bedeutung des richtigen fiskalpolitischen Kurses. Er betonte die Bereitschaft der Regierung, die Ausgaben weiter unter Kontrolle zu halten und die Politik der Steuersenkungen fortzusetzen.
In den USA sind die Experten nicht ganz so pessimistisch. Von Rezessionsgefahr bis zu steilem Wachstum in nächster Zukunft reichte bis vor kurzem die Bandbreite der Prognosen. Inzwischen setzt sich die Auffassung durch, dass der Abschwung nicht so schlimm ist wie angenommen, der Aufschwung aber auch nicht so schnell wie gehofft kommen wird.
"Besonders der Einbruch in der Hightech-Branche hat viele Analysten verunsichert. Über diesen Sektor haben wir noch keine guten langfristigen Daten", sagt Barry Bosworth, Wirtschaftsexperte beim renommierten Brookings-Institut in Washington. "Die meisten Kenner der Industrie erwarten einen echten Aufschwung jetzt frühestens in 18 Monaten bis zwei Jahren."
Dass der Aufschwung wohl später als erwartet kommt, liegt nach Meinung von Bosworth zum einen an dem starken Dollar. Die Zinssenkungen der Notenbank - bereits fünf um je einen halben Prozentpunkt in diesem Jahr - haben den Dollar entgegen den Erwartungen nicht billiger gemacht. Gegenüber Euro und Yen legte die US-Währung zu. Auf internationalen Märkten haben es US-Unternehmen deshalb schwer. Zum anderen waren die Einbrüche in der Hightech-Industrie stärker als erwartet. "Die Unternehmen sind von dem Abschwung total überrascht worden", sagte Jim Glassman, Volkswirt bei J.P. Morgan, dem "Wall Street Journal".
Zwar wuchs die US-Wirtschaft im 1. Quartal auf Jahresbasis um 1,3 Prozent. Im 4. Quartal 2000 lag das Wachstum nur bei einem Prozent. Der internationale Währungsfonds (IWF) hält rund 1,5 Prozent Wachstum im Gesamtjahr für möglich.
Die Aufträge für langlebige Wirtschaftsgüter gingen im April um fünf Prozent zurück, für Computer und Elektronikgeräte sogar um 8,8 Prozent. Die Gewinnmargen der Unternehmen vor Steuern sind ebenfalls zurückgegangen: von 10,5 auf 10 Prozent im 1. Quartal. Das ist nach Angaben des Handelsministeriums der niedrigste Wert seit 1994. US-Notenbankchef Alan Greenspan beobachtet die Gewinnmargen nach eigenen Angaben sehr genau als Indikator für die Produktivität.
Dass sich die düsteren Rezessionsprognosen der Skeptiker nicht bewahrheitet haben, ist vor allem den Verbrauchern zu verdanken. Sie tragen zwei Drittel der US-Wirtschaft. Ihre Zuversicht steigt, wie das Conference Board, ein Forschungsinstitut der Privatwirtschaft, herausfand. "Es gibt keine Anzeichen, dass die Verbraucher ihre Ausgaben zurückschrauben", sagte die Forschungsdirektorin des Instituts, Lynn Franco.
Da ist zum einen das Steuergeschenk, das Präsident George W. Bush den Amerikanern beschert hat. Noch in diesem Sommer soll jeder Haushalt per Scheck eine Steuerrückzahlung in Höhe von rund 300 Dollar pro Person erhalten. Die Regierung hofft, dass zumindest ein Teil dieses Geldes umgehend wieder in die Wirtschaft fließt. Auch die Zinssenkungen haben entscheidende Bedeutung: In einem Land, in dem der Kauf auf Pump für jeden zur Routine gehört und Leute ohne Schulden fast Argwohn hervorrufen, tragen niedrigere Zinsen zum Wohlbefinden bei. Und die Leichtigkeit, mit der Schulden auf dem heutigen Markt umfinanziert werden können, dürfte die Verbraucher bei der Stange halten, meint Bosworth.
Von Christiane Oelrich, dpa