US-Konjunktur: Jetzt muss Greenspan handeln - DER SPIEGEL
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US-Konjunktur Jetzt muss Greenspan handeln

Überraschend deutlich hat Alan Greenspan vor einem drastischen Einbruch der US-Konjunktur gewarnt. Entsprechend deprimiert gingen die Börsianer an ihre Geschäfte. Alles hofft auf Zinssenkungen.
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Frankfurt am Main - Das Wirtschaftswachstum in den Vereinigen Staaten sei derzeit fast zum Erliegen gekommen, sagte der als diplomatisch geltende 74-Jährige. Und nährte damit erst recht die Erwartungen, dass der für Geldpolitik zuständige Offenmarktausschuss kommende Woche eine weitere Zinssenkung beschließen wird.

Die Deutschen Börsen ließen mit der Reaktion nicht auf sich warten. Gleich zu Handelsbeginn notierten Dax und Nemax 50 im roten Bereich. Der Standardwerte-Index hielt sich mit minus 0,5 Prozent noch einigermaßen stabil. Der Neue Markt-Index verlor dagegen mehr als sechs Prozent, erholte sich dann wieder leicht uns steht jetzt bei knapp vier Prozent minus.

Anfang des Jahres hatte Greenspan in einem Überraschungsmanöver die Leitzinsen um 50 Basispunkte auf sechs Prozent gesenkt. Negativ ausgefallene Konjunkturdaten wurden seitdem als weitere Indizien für einen Abschwung interpretiert. Dass die US-Zentralbanker am kommenden Mittwoch erneut an der Zinsschraube drehen werden, bezweifelte auch vor Greenspans Rede eigentlich niemand. Die meisten Bankexperten rechneten mit einer Drosselung bis zum dritten Quartal um insgesamt 75 Basispunkte auf dann 5,25 Prozent.

"Die Märkte sind aber offenbar von der Deutlichkeit Greenspans überrascht worden", sagte Thomas Meißner von der GZ-Bank in Frankfurt. Schließlich hätten die Devisenmärkte rasch reagiert: Der Dollar verlor, der Euro gewann. Greenspan habe aber zunächst nur von einer Abkühlung der US-Industrie gesprochen, erläuterte der Volkswirt. Der Dienstleistungs-Sektor, der immerhin knapp 60 Prozent zum US-Bruttoinlandsprodukt beisteuert, müsse nun beobachtet werden.

Er erwarte daher zunächst keine Rezession, unter der in den USA ein rückläufiges Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) über zwei Quartale verstanden werde, meinte der Experte. Fraglich sei aber, ob die Zinssenkungen der Fed rechtzeitig griffen. Immerhin dauere es bis zu eineinhalb Jahren, bis sie den gewünschten Aufschwung bewirkten. Eine harte Landung der US-Konjunktur hätte vor allem drastische Folgen für die eng verflochtenen Kapitalmärkte, sagte Meißner. "Ein Aktiencrash in den USA würde auch hier einen Crash nach sich ziehen."

Das amerikanische Bruttoinlandsprodukt betrug im dritten Quartal des vergangenen Jahres noch 2,2 Prozent. Viele Experten hatten auch für das vierte Quartal noch eine ähnliche Wachstumsrate prognostiziert. Nun verkündete der Notenbank-Chef, das Wachstum sei nur gering gewesen. Für die ersten drei Monate 2001 rechneten Analysten ohnehin mit einem Rückgang des BIP auf 0,9 Prozent.

"Ich würde eher von einer holprigen als einer harten Landung sprechen", sagte Rolf Schneider von der Dresdner Bank. So müsse die schlechte Witterung Ende des vergangenen Jahres einkalkuliert werden. Zudem rechne er damit, dass die erhebliche Abkühlung der US-Konjunktur nicht lange andauern werde. Impulse für den Konjunkturmotor dürften etwa von dem billionenschweren Steuerentlastungs-Paket des neuen US-Präsidenten George W. Bush kommen.

"Die Fed wird auf jeden Fall versuchen, das Ruder herumzureißen", sagte Manfred Kurz, Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung bei der Bayerischen Landesbank in München. Schon mit dem Zins-Coup Anfang Januar habe die Zentralbank erfolgreich ihren Aufschwung-Willen bewiesen. "Eine Rezession wird Greenspan mit allen Mitteln zu verhindern wissen", sagte auch Meißner, der immer noch eine sanfte Landung der US-Wirtschaft für möglich hält. "Die Fed hat die Märkte immer vorbereitet. Und Donnerstag war eine Vorbereitung auf eine weitere Zinssenkung."

Von Alexandra Ringleb, dpa