US-Kreditkrise: BayernLB legt Milliarden-Risiken offen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

US-Kreditkrise BayernLB legt Milliarden-Risiken offen

Lange wollte die BayernLB das Unglück nicht beziffern – jetzt ist es raus: Die Landesbank ist mit rund 1,9 Milliarden Euro am kriselnden US-Hypothekenmarkt engagiert. Trotzdem fühlt sie sich stark genug, um einen Konkurrenten zu übernehmen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Ein Sprecher versucht zu beruhigen. Die Bank rechne derzeit nicht mit Zahlungsausfällen, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die Investitionen der Bank fallen zu 80 Prozent auf Geschäfte, die von Ratingagenturen mit der höchsten Note "AAA" bewertet wurden und zu 20 Prozent auf die nachfolgende Klasse "AA". Allerdings wird die Qualität solcher Einschätzungen mittlerweile in Zweifel gezogen.

Die Bank wäre notfalls in der Lage, das Gesamtvolumen der sogenannten Conduits in die eigenen Bücher zu nehmen, falls deren Refinanzierung am Markt über kurzlaufende Wertpapiere nicht mehr möglich sein sollte, sagte der Sprecher. Das Geschäftsmodell der Conduits ist es, langfristige Verbindlichkeiten durch kurzfristige Papiere zu refinanzieren, um von der Zinsdifferenz zu profitieren. Die Refinanzierung ist wegen der Verunsicherung an den Finanzmärkten jedoch deutlich schwieriger geworden.

Die zweitgrößte Landesbank ist auch aus anderen Gründen unter Druck. Der "Wirtschaftswoche" zufolge prüft die BayernLB nun auch eine Übernahme der angeschlagenen WestLB. Wie das Magazin erfuhr, wird intern im Vorstand über eine Fusion diskutiert, weil sich die BayernLB durch den Expansionskurs der baden-württembergischen Landesbank LBBW unter Druck sieht. Hochrangige BayernLB-Manager sagten der "Wirtschaftswoche", die BayernLB müsse handeln, und zwar jetzt. Die BayernLB werde sich aktiv am Konsolidierungsprozess beteiligen, sagte ein hochrangiger Insider dem Magazin. Der Kauf der WestLB werde auf Vorstandsebene geprüft, auch wenn es noch nicht zu konkreten Verhandlungen der Eigentümer gekommen sei. Ein Sprecher der BayernLB wollte die Sache nicht kommentieren.

IKB rechnet mit bis zu 700 Millionen Euro Verlust

Die Mittelstandsbank IKB hat derweil bekannt gegeben, dass sie als Folge aus der jüngsten Krise im laufenden Geschäftsjahr mit einem Verlust von 600 bis 700 Millionen Euro rechnet. Im Abschnitt 2006/2007, der am 31. März endete, hatte die Bank noch 180 Millionen Euro Gewinn gemacht. Die IKB war die erste deutsche Bank, die in den Strudel der US-Kreditkrise gerissen wurde. Sie konnte nur durch eine Milliardenhilfsaktion ihres größten Anteilseigners, der staatlichen KfW, gerettet werden. Nach der Mittelstandsbank gerieten auch andere Banken in Schieflage: Die SachsenLB musste mit einer 17-Milliarden-Euro-Kreditlinie von der Sparkassenfinanzgruppe gerettet werden.

Jetzt wird sie von der LBBW übernommen. Immerhin: Der Bundesverband öffentlicher Banken Deutschlands sieht das Geldinstitut inzwischen außer Gefahr. Die Schwierigkeiten der SachsenLB seien durch die Übernahme beseitigt, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Karl-Heinz Boos, im Deutschlandradio Kultur. Die Fusion habe für die LBBW den Vorteil, dass sie nun einen besseren Zugang zum osteuropäischen Markt habe, welcher ein besonderes Geschäftsfeld der SachsenLB gewesen sei. Boos rechnet aber nicht mit einer nun folgenden Fusionswelle bei den Landesbanken.

ase/AFP/dpa/ ddp