US-Milliardär Icahn Raider-Veteran knöpft sich Yahoo vor
Hamburg - Aggressivität hat bei Carl Celian Icahn Methode. Als "Corporate Raider", wie der Amerikaner "Heuschrecken"-Investoren nennt, bestätigt er seit den siebziger Jahren immer wieder seinen knallharten Ruf. Dabei hat Icahn auch seine empfindlichen Seiten: Nach dem Universitätsabschluss in Philosophie begann Icahn zunächst ein Medizin-Studium, brach es aber nach wenigen Semestern ab - angeblich, weil er die Arbeit mit Leichen nicht ertrug.
Darauf arbeitete der 1936 in Queens geborene Amerikaner kurz als angestellter Börsenmakler, bis er seine eigene Firma gründete. Fortan zeigte er sich wenig zimperlich. Wo er investierte, trat der New Yorker in Konfrontation zur Unternehmensleitung für Produktivität und die Pflege des Aktienkurses ein. Immer wieder startete er erbitterte Stimmrechtskämpfe, um sich Mehrheiten im Verwaltungsrat zu verschaffen. Seine Methode ist simpel: Marode Firmenteile abspalten, den Rest knallhart sanieren.
Dementsprechend darf sich das Yahoo-Management auf unangenehme Zeiten gefasst machen. Nach Berichten des "Wall Street Journal" soll Carl C. Icahn inzwischen etwa 50 Millionen Aktien und damit 3,5 Prozent an dem Internetkonzern besitzen. Und eins ist klar: Er wird auch diesmal alles andere als ein stiller Anteilseigner sein. Icahn könnte erneute Übernahme-Verhandlungen mit Microsoft forcieren, heißt es im "WSJ" - vorausgesetzt, der Softwareriese erneuert sein eigentlich schon zurückgezogenes Kaufangebot. Oder aber Icahn attackiert den Verwaltungsrat direkt und setzt auf die Ablösung der Führungsspitze. Jerry Yang, der Yahoo gründete und groß machte, könnte stürzen.
In der Freizeit der Wohltäter - im Beruf knallhart
Icahn, Sohn einer Lehrerin und eines Rechtsanwalts, hat mit seiner unbequemen Art im Laufe seiner Investoren-Karriere Unruhe in so manches renommierte Unternehmen gebracht. 1986 zum Beispiel bei der Holding USX, der Mutter der US-Steel und des Energiekonzerns Marathon. Icahn setzte eine Spaltung der USX durch und verkaufte danach seine Aktien für eine Milliarde Dollar.
Das Spiel spielte er immer wieder: Er kaufte 17,3 Prozent am Ölkonzern Texaco, setzte dann Anteilsverkäufe durch, darunter die der deutschen Texaco AG an RWE. Als Aktionär der RJR Nabisco Holdings drängte Icahn jahrelang auf eine Trennung von Tabakwaren und Lebensmittel-Sparte, die nach seiner Ansicht nicht zusammenpassten. Mit Erfolg: 1999 wurde das internationalen Tabakgeschäfts an Japan Tobacco verkauft. Investor Icahn gab 2000 seine Nabisco-Anteile für 839 Millionen Dollar ab.
Insgesamt besaßen Icahn und seine Starfire Holding an der Fifth Avenue in Manhattan zwischen 1996 und 2004 etwa 56 Beteiligungen.
Mit Gründung des Hedge Fonds Jana Partners und verschiedener Fonds-Partnerschaften bemühte sich der Mann, dessen Vermögen auf 8,5 Milliarden Dollar geschätzt wird, verstärkt um das Image eines Aktionärsschützers. Hauptaufgabe sei es schließlich, das Geld der Anleger zu vermehren.
Auch sonst präsentiert sich Icahn gern als Gutmensch: Bis heute tritt er als Sponsor eines Leichtathletik-Stadions und eines Genom-Labors an der Universität Princeton auf. Im New Yorker Stadtteil Bronx hat seine Stiftung ein Haus für obdachlose allein erziehende Mütter eingerichtet. 2007 finanzierte Icahn Teile des Vor-Wahlkampfes von Rudolph Giuliani, der als konservativer Präsidentschaftsanwärter allerdings trotzdem früh ausschied.
Als Investor hat Icahn allerdings auch in den vergangenen Jahren nichts an Aggressivität eingebüßt. Erst 2006 griff er als Anteilseigner den weltgrößten Medienkonzern Time Warner an und verlangte eine Aufspaltung in vier Teile und personelle Veränderungen im Management. Später rückte er von diesen Forderungen zwar ab - allerings erst, als Time Warner sich bereit erklärte, das Volumen eines Aktienrückkauf-Programms zu erhöhen. Im gleichen Jahr drängte Icahn Mitglieder des Verwaltungsrates der Biotechnologiefirma Imclone zum Rücktritt, weil er mit der Unternehmensführung nicht einverstanden war.
Auch der Technologiekonzern Motorola bekam die Vehemenz des 72-Jährigen schon zu spüren: Permanent übte er Druck aus, um vier Sitze im Verwaltungsrat zu bekommen und die Abspaltung der verlustreichen Handysparte zu erzwingen. Icahn klagte vor Gericht auf die Herausgabe von Firmenunterlagen. Motorola gab nach, kündigte die Abspaltung an und sicherte Icahn zwei Sitze zu. Dafür zog er seine Klage zurück.
Spätestens nach der Yahoo-Hauptversammlung am 3. Juli ist klar, ob der Mann, der nicht mit Toten arbeiten wollte, wieder einmal über Leichen geht.