US-Notenbank: Greenspan bleibt hart - DER SPIEGEL
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US-Notenbank Greenspan bleibt hart

US-Notenbankpräsident Alan Greenspan hat die Börsianer wieder enttäuscht. Trotz des massiven Drucks von Brokern und Investmentbankern ließ er die Leitzinsen unverändert.
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Washington/Waco/New York – Der Satz für Tagesgeld liegt damit nach wie vor bei 1,75 Prozent, teilte die Notenbank nach ihrer Sitzung in Washington mit.

Nach Ansicht der Notenbanker sind die Risiken für einen Abschwächung noch nicht gebannt. Dennoch sollten die derzeitige Zinslage und das robuste Produktivitätswachstum ausreichen, um eine Verbesserung des Wirtschaftsklimas zu unterstützen, so die knappe Begründung.

Die amerikanischen Aktiemärkte reagierten auf die Zinsentscheidung mit leichten Abschlägen. Der Dow Jones verlor 0,82 Prozent auf 8.617,87 Punkte, der Nasdaq gab um 0,68 Prozent auf 1.297,92 Punkte nach.

Die meisten Analysten gingen zuvor trotz weit verbreiteter Rezessionsängste nicht davon aus, dass die Zinsen erneut gesenkt würden. Sollte sich der Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte nicht verfestigen, halten die Experten ein weiteres Absenken der Leitzinsen im September oder Oktober für möglich. Seit Januar 2001 hatte die Fed insgesamt elf Mal die Zinsen gesenkt und dabei die Leitzinsen von 6,50 auf 1,75 Prozent reduziert, dem niedrigsten Stand in 40 Jahren.

Gegen eine Leitzinssenkung habe nach Einschätzung von Volkswirten auch gesprochen, dass die US-Notenbank bisher keine Andeutungen in diese Richtung gemacht habe. Die Federal Reserve unter Greenspan habe Überraschungen an den Märkten bisher vermieden.

Die US-Verbraucher stützten unterdessen mit neuer Kauflust optimistischere Prognosen über einen wirtschaftlichen Aufschwung. Im Juli sind die Umsätze des US-Einzelhandels im Vergleich zum Vormonat um 1,2 Prozent gestiegen. Es war nach einem Zuwachs von 1,4 Prozent im Juni der zweite in Folge. Der Konsum, der zwei Drittel der Wirtschaft ausmacht, steuert nach Auffassung von Analysten damit möglicherweise auf eine Jahresrate von plus 3 Prozent zu.

US-Präsident George W. Bush bemühte sich am Dienstag, Optimismus zu verbreiten. "Der Trend geht in die richtige Richtung, aber es ist noch viel zu tun", sagte er am Dienstag auf einem von ihm selbst einberufenen Wirtschaftsforum im texanischen Waco. Rund 240 sorgfältig ausgewählte Vertreter aller Branchen unterhielten sich rund fünf Stunden darüber, wie der Aufschwung gefördert und das Vertrauen in die Aktienmärkte wieder gefestigt werden könnte.

Für die Vorstands- und Finanzchefs der größten amerikanischen Aktiengesellschaften schlägt am Mittwoch die Stunde der Wahrheit. Bis zum Abend müssen sie bei der amerikanischen Wertpapier- und Börsenkommission SEC erstmals schriftlich "nach bestem Wissen" beschwören, dass der letzte Jahresbericht und andere wichtige Unternehmensunterlagen keine Unwahrheiten enthalten. Bei Falschaussagen drohen den Managern bis zu 20 Jahre Gefängnis und Geldstrafen von bis zu fünf Millionen Dollar.

Von der neuen SEC-Regel sind insgesamt 947 Aktiengesellschaften betroffen, die mehr als 1,2 Milliarden Dollar im Jahr umsetzen. Bis Montagabend hatte die SEC nach eigenen Angaben erst 225 eidesstattliche Erklärungen erhalten. Die Namen der Firmen, die nicht unterschreiben will die SEC auf einer Internetseite öffentlich bloßstellen.