US-Notenbank Zinssenkung gilt als sicher
Washington - US-Notenbankchef Alan Greenspan hat allerdings bisher nicht zu erkennen gegeben, wie der Beschluss der US-Notenbank ausfallen wird. Doch schon vor der Sitzung am Dienstag scheint festzustehen, dass die Leitzinsen um mindestens 0,5 Prozentpunkte gesenkt werden sollen. Einige Experten wie etwa die angesehenen Finanzhäuser Merrill Lynch, HSBC Securities und Credit Suisse First Boston sagen sogar eine Senkung um 0,75 Prozentpunkte voraus.
An die Senkung der Leitzinsen knüpfen die Experten hohe Erwartungen, denn sie soll zu einer schnellen Erholung der US-Konjunktur führen. Vielfach wird allerdings bezweifelt, dass sich dieser Effekt so schnell einstellen wird.
Im Januar bereits waren die Wirkungen zweier Leitzinssenkungen um jeweils einen halben Prozentpunkt nahezu verpufft. Abgesehen von einem kurzen Zwischenhoch Ende Januar gab es für die Börsenkurse nur eine Richtung - nach unten. Allein in der vergangenen Woche fiel der Dow Jones um 7,7 Prozent.
Die Anleger erlebten den viertgrößten Wochenverlust seit dem Börsencrash von 1987. Der Nasdaq sackte um 7,9 Prozent ab und verzeichnete damit die siebte Woche in Folge einen Verlust. Der Grund für das Desaster: neuerliche Gewinnwarnungen im Technologiesektor und die Angst, dass die Zinssenkung der Fed nicht so hoch ausfällt wie erwartet.
Auch die Industrieproduktion in den USA sinkt seit sechs Monaten. Im Februar betrug das Minus ebenso wie im Januar rund 0,6 Prozent. Die Auslastung der Fabriken sank ebenfalls deutlich stärker als erwartet und hat inzwischen das Rezessionsniveau von 1991 erreicht.
Noch schlimmer als um die Konjunktur selbst ist es aber um die Stimmung der Amerikaner bestellt. Im vergangenen Jahr trieben die US-Anleger die Konjunktur und die Börsenkurse mit ihrer Euphorie voran. Der Technologiesektor schien praktisch keine Wachstumsgrenzen mehr zu kennen. Inzwischen ist die Stimmung ins Gegenteil umgeschlagen. "Gute wie schlechte Nachrichten wirken negativ auf den Markt", analysiert Andrew Spencer, Leiter Aktien beim angelsächsischen Fondshaus JP Morgan Fleming.
Der sich verbreitendende Pessimismus könnte sich über kurz oder lang auch auf die Weltkonjunktur auswirken - dann nämlich, wenn die Konsumenten anfangen zu sparen, weil ihr in Aktien angelegten Vermögen zu sehr zusammengeschmolzen ist. Speziell für die USA sieht Ulrich Ramm, Chefvolkswirt der Commerzbank, eine solche Gefahr heraufziehen. Rund drei Viertel der Haushalte jenseits des Atlantiks hätten ihr Vermögen jedenfalls teilweise in Aktien angelegt. Allein im vierten Quartal wurden durch den Kurssturz an den Börsen private Buchvermögen in Höhe von 1000 Milliarden Dollar vernichtet - rund 40 Prozent des verfügbaren Einkommens aller privaten US-Haushalte.
Auch für Greenspan bedeutet das Konsumentenverhalten eine empfindliche Größe. Simulationsrechnungen der Fed kommen zu dem Ergebnis, dass der private Konsum sowie der Wohnungsbau rund zwei Drittel zur Wachstumsbeschleunigung infolge einer Zinssenkung beitragen würde.