US-Notenbank: Zwist über Zinsentscheid - DER SPIEGEL
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US-Notenbank Zwist über Zinsentscheid

Dass die amerikanische Notenbank den Leitzins noch nicht senken würden, war erwartet worden. Ungewöhnlich aber ist, dass zwei Mitglieder des Gremiums dieses Mal gegen die Linie ihres Chefs, Alan Greenspan, gestimmt haben.
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Washington - Die US-Notenbank, kurz Fed genannt, hat zwar vor erhöhten geopolitischen Risiken für die US-Volkswirtschaft gewarnt, die Leitzinsen aber erwartungsgemäß unverändert gelassen. Offensichtlich mit Blick auf einen drohenden Irak-Krieg wiesen die Währungshüter auf neue Unsicherheitsfaktoren für die US-Konjunktur hin.

Der entscheidende Zielsatz für Tagesgeld liegt seit dem 11. Dezember 2001 bei 1,75 Prozent und damit auf dem niedrigsten Niveau seit rund 40 Jahren. Zwei der zwölf stimmberechtigten Mitglieder des für die Zinspolitik zuständigen Offenmarktausschusses (FOMC) stimmten am Dienstag nach Fed-Angaben allerdings für eine Leitzinssenkung. Einige Analysten werteten dies als Zeichen dafür, dass in dem Gremium über eine geldpolitische Lockerung zur weiteren Konjunkturbelebung debattiert wurde.

Die US-Aktienmärkte bauten im Geschäftsverlauf ihre Kursverluste aus. Händler sagten, einige Anleger hätten offenbar insgeheim mit einer Zinssenkung gerechnet und seien daher enttäuscht. Dollar und Staatsanleihen reagierten dagegen kaum auf den Zinsentscheid.

Wie bereits nach ihrer letzten Sitzung im August erklärte die Fed, es bestehe weiter die Gefahr einer wirtschaftlichen Abschwächung. Analysten erkannten in dieser Warnung, dass sich die Notenbank die Tür für eine Zinssenkung offen hält. Im Falle eines Militärschlags der USA gegen Irak befürchten Experten, dass steigende Rohölpreise die ohnehin nur schleppend verlaufende Konjunkturerholung bremsen könnte. Analysten zeigten sich nach dem Fed-Entscheid lediglich von der Tatsache überrascht, dass die Fed ihren Beschluss entgegen der üblichen Praxis nicht einstimmig fasste. "Die Erklärung unterscheidet sich nicht sehr von der ihres letzten Treffens. Interessant sind die zwei abweichenden Stimmen. Aus meinem Verständnis votieren sie üblicherweise einstimmig. Das zeigt, dass im FOMC eine Debatte darüber stattfindet, ob die Zinsen etwas weiter gesenkt werden sollten", sagte Bill Quan von Mizuho Securities USA. Eine uneinheitliche Entscheidung hatte es bei der Fed zuletzt im Dezember 2001 gegeben, als ein Notenbanker gegen den damaligen Zinssenkungs-Beschluss gestimmt hatte.

Das abweichende Votum der beiden FOMC-Mitglieder Robert McTeer und Edward Gramlich zeige, dass der Fed die Hoffnungen der Märkte auf eine Zinssenkung nicht entgangen sei, sagte Analystin Lisa Finstrom von Salomon Smith Barney. McTeer hatte sich in der Vergangenheit mehrfach für eine weitere Lockerung der Geldpolitik ausgesprochen. Dabei hatte er besonders auf die nach seiner Ansicht weiter angespannte Lage am Arbeitsmarkt verwiesen.