US-Wirtschaft: Arbeitsmarktdaten steigern Angst vor Rezession - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

US-Wirtschaft Arbeitsmarktdaten steigern Angst vor Rezession

63.000 weniger Jobs - und damit deutlich mehr Arbeitslose als erwartet: Die jüngsten Arbeitsmarktdaten verstärken die Angst der Amerikaner vor einer Wirtschaftsflaute. Selbst Daueroptimisten sehen das Land inzwischen in der Rezession.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Washington - Die Zahlen haben selbst hartgesottene Optimisten überrascht: 63.000 Jobs hat die amerikanische Wirtschaft im Februar abgebaut - und damit deutlich mehr als von Analysten erwartet. Das geht aus einem Bericht des US-Arbeitsministeriums hervor, der gestern vorgestellt wurde. Außerdem wurde das Stellenminus des Vormonats auf 22.000 nach oben revidiert.

Der New Yorker Aktienindex Dow Jones reagierte umgehend auf die schlechten Zahlen und fiel auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2006. Das Börsenbarometer ging gestern um 1,22 Prozent zurück und lag bei Handelsschluss mit 11.893,69 Punkten unter der wichtigen Marke von 12.000 Punkten. Der Technologie-Index Nasdaq verzeichnete ebenfalls einen leichten Rückgang um 0,36 Prozent und schloss bei 2.212,49 Punkten.

Auch Investoren und Konjunkturexperten reagierten auf die schlechten Zahlen: Der Arbeitsmarktreport sei so düster, dass selbst die wenigen noch optimistischen Wall-Street-Händler das Handtuch geschmissen hätten, schreibt die "New York Times". Überraschend erklärte außerdem die US-Notenbank (Fed), dass sie das Bankensystem noch in diesem Monat mit 200 Milliarden Dollar stützen werde - mit der Option, später noch mehr Geld nachzuschießen. Sie werde den Banken zinsgünstige Kurzzeitkredite anbieten, für die ihre risikoreichen Kreditpakete als Sicherheit dienen könnten, schreibt die "New York Times" weiter.

Bush will retten, was zu retten ist

Tatsächlich setzt die sich abzeichnende Rezession Noch-Präsident George W. Bush enorm unter Druck - und könnte verheerende Folgen für seinen Parteifreund und Präsidentschaftskandidaten John McCain haben: Die Erfahrung zeige, dass die Partei, die den Präsidenten stelle, dieses Amt nicht verteidigen könne, wenn es der Wirtschaft nicht gut gehe, schreibt die "New York Times".

Hastig erschien Bush gestern Nachmittag denn auch vor den Kameras, um zu retten, was zu retten ist: Auch er erkenne, dass die Wirtschaft schwächele, verspreche für den Sommer aber eine Besserung - dank des Konjunkturpakets in Höhe von 168 Milliarden Dollar, das der Kongress erst kürzlich verabschiedet hat. "Seinen Job zu verlieren ist schmerzhaft, und ich weiß, dass die Amerikaner sich große Sorgen wegen der Wirtschaftslage machen", sagte Bush laut der "New York Times".

Auch US-Finanzminister Henry Paulson reagierte gelassen auf den jüngsten Arbeitsmarktbericht. Die Zahlen seien nicht zu begrüßen, kämen aber auch nicht überraschend, sagte Paulson. Bislang lehnt er vehement ab, von einer drohenden Rezession zu sprechen. Vielmehr verwies auch er auf das milliardenschwere Konjunkturpaket.

Darüber hinausgehende größere Initiativen von offizieller Seite lehnte Paulson gestern abermals ab. Stattdessen appellierte er an die großen Hypothekenfinanzierer wie Fannie Mae und Freddie Mac, sich frisches Kapital zu beschaffen, damit sie ihren Kunden auch in schwierigen Zeiten weiter Geld leihen könnten. Das könnten die Unternehmen ohne Hilfe des Gesetzgebers tun, betonte Paulson.

sam/Reuters/AFP

Mehr lesen über