US-Wirtschaft: Die Luft ist endgültig raus - DER SPIEGEL
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US-Wirtschaft Die Luft ist endgültig raus

Der längste Aufschwung in der Geschichte der Vereinigten Staaten ist zu Ende. Das erste Mal seit acht Jahren ist die amerikanische Wirtschaft im abgelaufenen Quartal geschrumpft.
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Washington - Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ging um 0,4 Prozent zurück, teilte das Handelsministerium in einer ersten Schätzung mit. Im zweiten Quartal war die Summe der Waren und Dienstleistungen noch geringfügig um 0,3 Prozent gewachsen. Das Minus war nicht ganz so schlimm wie von Experten erwartet; dennoch handelt es sich um den größten Rückgang seit dem ersten Quartal des Rezessionsjahres 1991, als die US-Wirtschaft um zwei Prozent geschrumpft war.

"Der Rezession hat begonnen", sagte Stuart Hoffman, Volkswirt bei PNC Financial Services Group. "Wir hatten bereits eine anfällige Wirtschaft, und der Schock des 11. September hat uns wahrscheinlich von der Klippe gestoßen." Andere Experten wie etwa Stephen Roach, Chefvolkswirt bei Morgan Stanley, sprechen bereits seit Monaten von einer Rezession. Wann diese offiziell "ausgerufen" wird, ist ohnehin eine akademische Frage.

Die meisten US-Volkswirte sprechen von einer Rezession, wenn das BIP-Wachstum in zwei aufeinander folgenden Quartalen rückläufig ist. "Es ist völlig egal, ob wir uns technisch gesehen in einer Rezession befinden", so James Glassman von JP Morgan Chase Securities, "entscheidend ist, dass wir uns so weit vom potenziell möglichen Wachstum entfernt haben, dass die Arbeitslosigkeit steigt, die Unternehmensgewinne fallen und die Ausgaben zurückgehen."

Verbraucher scheinen wie gelähmt

Nach Angaben des Handelsministeriums sind die Verbraucherausgaben, bisher eine Stütze der US-Konjunktur, nur noch um 1,2 Prozent gestiegen. Das ist so wenig wie seit dem ersten Quartal 1993 nicht mehr. Bereits am Dienstag war bekannt geworden, dass die andauernden Entlassungen den Optimismus der US-Verbraucher weiter gedrückt haben. Der Index des Verbrauchervertrauens, der monatlich vom Forschungsinstitut Conference Board ermittelt wird, war im Oktober auf 85,5 Punkte gefallen. Das ist der tiefste Stand seit siebeneinhalb Jahren.

Fachleute gehen davon aus, dass die US-Notenbank die Leitzinsen auf ihrer nächsten Sitzung erneut senken wird - strittig ist zwischen Fed-Beobachtern lediglich, ob um 0,25 oder 0,5 Prozent. Der für die Zinspolitik zuständige Offenmarktausschuss tritt am 6. November wieder zusammen. Der Zinssatz für Tagesgeld liegt derzeit bei 2,5 Prozent, dem tiefsten Stand seit fast 40 Jahren. Er wurde in diesem Jahr schon neunmal gesenkt.