US-Wirtschaft: Ökonomen dämpfen Konjunktur-Euphorie - DER SPIEGEL
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US-Wirtschaft Ökonomen dämpfen Konjunktur-Euphorie

Weniger Arbeitslose, höhere Produktivität, mehr Konsumbereitschaft: Ist in den USA ein Ende der Rezession in Sicht, ein Hoffnungsschimmer für die Weltwirtschaft? Die US-Konjunkturdaten haben zuletzt spürbar angezogen - doch Experten warnen vor überzogenen Hoffnungen.
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Hamburg - Die US-Wirtschaft steht vor einer rasanten Erholung - jedenfalls lässt ein Blick auf die Konjunkturdaten der vergangenen Wochen diesen Schluss zunächst durchaus zu. So ist jüngst die Arbeitslosenquote erstmals seit 15 Monaten gesunken, die Produktivität stieg auf ein Sechs-Jahres-Hoch. Und nicht zuletzt sparen die Amerikaner wieder weniger - zunehmende Konsumfreude ist ebenfalls ein deutliches Indiz für eine Stabilisierung der US-Wirtschaft.

Arbeitslose in Philadelphia: Quote erstmals seit 15 Monaten gesunken

Arbeitslose in Philadelphia: Quote erstmals seit 15 Monaten gesunken

Foto: Matt Rourke/ ASSOCIATED PRESS

Experten dämpfen dennoch allzu große Erwartungen. Zwar sprächen alle Indikatoren für ein rasches Wirtschaftswachstum, werden Volkswirte in der "Washington Post" zitiert. Doch was für Statistiker eindeutig sei, verbessere noch lange nicht die unmittelbare Situation von Millionen von Amerikanern. Weder würden in den kommenden Monaten die Löhne steigen, noch werde die Zahl der Jobs massiv zunehmen. "Wir erleben eine Erholung, die nur von Statistikern geliebt werden kann", sagte Wells-Fargo-Volkswirt Mark Vitner der "Washington Post".

Hoffen und Bangen halten sich laut Experten momentan die Waage. Deutlich für eine rasche Erholung von der Krise sprechen die jüngsten Daten zum Produktivitätswachstum. Im zweiten Quartal erhöhte sich die Leistung der Beschäftigten je Arbeitsstunde um mehr als sechs Prozent, wie das US-Arbeitsministerium vergangene Woche bekanntgegeben hatte. Eine solche Entwicklung hat es in den USA seit 15 Jahren nicht mehr gegeben.

Der Produktivitätssprung gilt als deutliches Zeichen dafür, dass die schwere Krise sich ihrem Ende nähert und als Voraussetzung dafür, dass künftig die Gewinne wieder steigen und die Firmen wieder Leute einstellen - in der Theorie. Denn praktisch erwartet keiner der Experten, dass jetzt wieder neue Jobs geschaffen werden. Dafür seien die Arbeitszeiten in den Unternehmen momentan auf einem zu niedrigen Niveau, heißt es einhellig. "Bevor die Unternehmen wieder Leute einstellen, haben sie erst mal eine Menge Spielraum, die Arbeitszeiten wieder anzuheben", sagte Richard Moody, Chefvolkswirt der Investmentberatungsfirma Forward Capital, der "Washington Post".

Zum Vergleich: In Deutschland hat die Mehrzahl der Unternehmen anders gehandelt als US-Firmen, bislang halten die meisten an ihren Mitarbeitern fest. Dadurch aber fiel die Produktivität hierzulande stark, die Lohnstückkosten dagegen stiegen rasant. Beobachter fürchten daher, dass der deutschen Wirtschaft ein ähnlicher Rückfall wie dem US-Arbeitsmarkt noch bevorsteht.

Doch auch dessen jüngste, leichte Erholung - die Quote der Arbeitslosen fiel im Juli im Vergleich zum Vormonat von 9,5 Prozent auf nun 9,4 Prozent - sehen Experten skeptisch: Die Quote sei deshalb gefallen, weil 400.000 Menschen ganz aus dem Arbeitslosenversicherungssystem herausgefallen seien - und damit nicht mehr als arbeitslos gelten.

Zugleich sei die Zahl der Langzeitarbeitslosen - in den USA ist man das nach mehr als 27 Wochen ohne Job - auf eine Rekordhöhe von mehr als fünf Millionen gestiegen. Das ist immerhin ein Drittel aller Erwerbslosen.

Die Hauptsorge der Ökonomen ist daher nun, dass dem Konsum eine wichtige Stütze fehlt. Weil die US-Bürger in der Regel als sehr kauffreudig gelten, macht der Konsum ganze 70 Prozent der gesamten US-Wirtschaftsleistung aus. Fällt ein großer Teil dessen aus, liegt auch die Wirtschaft brach, so die Schlussfolgerung der Experten. Im besten Fall könnte die Wirtschaft dann nur kriechend aus der Rezession finden.

Lawrence Mishel, Präsident am Wirtschaftspolitischen Institut, bringt es daher in der "Washington Post" auf den Punkt. "Was wir jetzt brauchen, sind Konsumenten."

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