US-Zinsen Druck auf Greenspan wuchs
Washington - Das US-Handelsministerium hatte am Nachmittag von einer weiteren deutlichen Konjunkturabschwächung berichtet und damit Spekulationen über eine Zinssenkung der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) genährt. Vergangene Woche hatte Notenbankchef Alan Greenspan vor dem US-Kongress betont, dass das Wirtschaftswachstum mittlerweile bei "fast bei null" liege.
Seine Einschätzung wurde in der tendenz durch aktuelle Konjunkturdaten aus den USA bestätigt. Das Bruttosozialprodukt der USA ist im vierten Quartal 2000 um 1,4 Prozent gestiegen. Im vorhergehenden Quartal hatte das Wachstum noch 2,2 Prozent betragen. Nach Angaben des Ministeriums wurde das Wirtschaftswachstum vor allem durch den einheimischen Markt getragen. Die Binnen-Nachfrage wuchs demnach um 1,9 Prozent, während die Exporte der USA um 4,3 Prozent zurückgingen.
Eichel: Risiko USA
Auch Bundesfinanzminister Hans Eichel hatte sich vor der Zinssenkung zur US-Konjunktur geäußert. Im Jahreswirtschaftsbericht rechnet er für Deutschland mit einem "stabilen und robusten Wachstum" von 2,75 Prozent. Als Risiko sieht er aber die Rezessionsgefahr in den USA. Dort sei die Lage "unübersichtlich". Er sei aber überzeugt, dass in den USA alles getan werde, um eine "harte Landung" zu verhindern. Im Falle einer "weichen Landung" werde die Euro-Zone die Rolle der Welt-Konjunkturlokomotive übernehmen. "Wenn es aber in den USA zu einer harten Landung kommt, dann gibt es auch für uns Probleme", betonte der Minister.
Auch die Aktienmärkte hatten sich bereits auf eine Zinssenkung eingestellt. Händlern zufolge ist ein Rückgang um 50 Prozentpunkte bereits in den derzeitigen Kursen enthalten. Seit mehreren Tagen halten sich die Anleger zurück. Auch am Mittwoch blieben Dow Jones (plus 0,2 Prozent) und Nasdaq (plus 0,7 Prozent) nahe am Vortagesniveau.
Forderungen an die EZB
Angesichts der Zinssenkungen in den USA wurden erneut Forderungen laut, auch die EZB solle die Zinszügel lockern. Der Wirtschaftsweise Jürgen Kromphardt sagte dem Inforadio Berlin-Brandenburg. "Wenn die USA die derzeitige Zinssenkungspolitik fortsetzen, sollte die Europäische Zentralbank auch Spielraum haben, die Zinsen zu senken und davon auch Gebrauch machen."
Anfang des Jahres hatte die US-Notenbank wegen der anhaltenden Konjunkturabkühlung die Leitzinsen überraschend um einen halben Prozentpunkt gesenkt und damit ein Kursfeuerwerk an den Börsen ausgelöst.