USA GM-Manager gibt US-Regierung Mitschuld für Autokrise
Detroit - Eigentlich müssten die amerikanischen Automanager in Sack und Asche gehen. Ihrem Missmanagement ist es zu verdanken, dass die Großen Drei - General Motors , Ford und Chrysler - ohne massive Finanzhilfe des Staates nicht mehr überleben können. Aus Sicht von GM-Produktmanager Bob Lutz sind die Milliardenhilfen allerdings das Mindeste, was der Staat tun kann, um seine Versäumnisse in der Industrie- und Energiepolitik wieder wett zu machen.
GM-Manager Lutz: Ansehen durch Kritik aus Washington beschädigt
Foto: REUTERS"Jede Regierung in Japan, Deutschland oder Frankreich ist bemüht, die eigene Autoindustrie zu fördern. Nur in den USA sind wir seit 30 oder 40 Jahren in Washington verpönt und verhasst", klagte Lutz einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge auf der Automesse in Detroit. Die harte öffentliche Kritik aus Washington an der vermeintlich falschen Produktstrategie von GM, Ford und Chrysler habe das Ansehen der Konzerne auch bei den eigenen Kunden schwer beschädigt und das Verhältnis zwischen Industrie und Politik zusätzlich belastet.
Lutz setzt jetzt große Hoffnungen auf den bevorstehenden Regierungswechsel. Barack Obama könnte einen sogenannten Autozaren als Bindeglied zwischen Konzernen und Regierung berufen, der zu einer Verbesserung des Verhältnisses beitragen könnte. "Ich bin sehr optimistisch, dass wir im März von der Regierung ein langfristiges Programm zum Erhalt der US-Autobauer bekommen werden", sagte Lutz. "Die Politik hat erkannt, dass sie die letzte große Industrie der Vereinigten Staaten nicht zugrunde gehen lassen kann."
Eigene Fehler kann der Auto-Manager nicht erkennen. "Das nationale Auto-Portfolio wird nicht von den Herstellern oder der Politik bestimmt", stellte er klar. "Das hängt allein vom Benzinpreis ab." Der Sprit koste in den USA nur ein Viertel dessen, was man im Rest der Welt bezahlen müsste. Wenn das Benzin so teuer wäre wie in Europa, würden auch in den USA teure, kleine Autos auf stärkere Nachfrage stoßen: "Aber die Amerikaner geben nicht etliche Tausend Dollar mehr aus, nur um grün zu sein."
Seit der Benzinpreis nach seinem Hoch im Sommer deutlich gefallen ist, ist die Nachfrage nach sparsamen Autos in den USA spürbar zurückgegangen und der Absatz der alten Spritfresser nimmt wieder zu. Eine Wende sieht Lutz daher vorerst nicht: "Der Benzinpreis ist in Amerika ein Politikum. Auch der künftige Präsident Obama wird die Spritsteuern sicher nicht erhöhen." Diese Steuer liegt in den USA nur bei umgerechnet vier Cent pro Liter.
Entsprechend gering sieht Lutz auch die Chancen für die Einführung des Elektromodells Volt, das nach Konzernangaben bereits bis zur Produktionsreife entwickelt ist und 2010 auf den Markt kommen soll. "Wir haben mindestens zweieinhalb Jahre Vorsprung vor allen anderen Herstellern, auch vor den Europäern", sagte Lutz. Wann GM aber mit dem Volt Geld verdienen könne, hänge vor allem von den Zuschüssen der Regierung ab, ergänzte er. "Mit 5000 oder 6000 Dollar pro Fahrzeug wäre das einfacher". Auch die Batteriehersteller seien in der Pflicht: "Das Ziel muss sein, die Kosten um zwei Drittel zu senken und zugleich die Leistung zu steigern."