USA Größter Aktienbetrug aufgeflogen
New York - Die Betrüger sollen die Kurse der Aktien von mehr als 30 Unternehmen vor allem über das Internet manipuliert und unzählige Anleger zum Kauf von angeblich zukunftsträchtigen Wertpapieren zu völlig überhöhten Preisen verlockt haben. Der Schaden, der den Anlegern dadurch entstanden ist, wird auf 102 Millionen Mark geschätzt
Den Angeklagten wird eine ganze Palette von Straftaten vorgehalten - darunter Morddrohungen durch den Einsatz von Auftragskillern, Körperverletzung in zahlreichen Fällen, Erpressungen, Beamtenbestechungen, Unterschlagungen und betrügerische Manipulationen von Computernetzen. Unter anderem sollen sie in Chatrooms durch gezielte "Geheimtipps" Aktien als wertvoll angepriesen haben.
Die meisten Angeklagten seien in den vergangenen zwei Tagen bei einer konzertierten Großaktion von mehr als 600 Polizeibeamten in mehreren US-Bundesstaaten festgenommen worden, sagte Chefanklägerin Mary Joe White.
Zu dem Betrüger-Ring hätten 57 Börsenmakler, zwölf Anlageberater, zehn führende und mehrere "kleine" Mitglieder von Verbrecherclans, einige Buchhalter sowie ein Polizeibeamter gehört. "Das ist die größte Zahl von festgenommenen Verdächtigen, die es bisher in einem Aktienbetrugsfall gab", sagte White.
Die "Verbindungen" des Betrüger-Kartells hätten bis in den gewerkschaftlichen Pensionsfond der New Yorker Polizei gereicht. Dessen Schatzmeister sei bestochen und später erpresst worden, Investitionen des Fonds in betrügerisch überteuerte Aktienanlagen zu zeichnen. Der einflussreiche Polizeibeamte habe zudem dafür gesorgt, dass Mitglieder von Mafia-Banden Waffenscheine und Ausnahme- Parkgenehmigungen bekommen hätten, berichtete die "New York Times".
Im Mittelpunkt des Massenbetrugs stand nach Erkenntnissen der Ermittler die einst seriöse Anlagefirma DMN Capital Investments. Bosse der New Yorker Gangsterclans Bonanno, Genovese, Luchese, Colombo und Gambino hätten vor Jahren beschlossen, das Wall-Street- Unternehmen zu unterwandern und zum Ausgangspunkt ihres US-weiten Aktienbetrugsrings zu machen.
In den vergangenen Monaten sei es gelungen, FBI-Agenten in die Firma zu schleusen. Sie hätten umfangreiches Beweismaterial gesammelt und unter anderem mehr als 1 000 Stunden Gespräche zwischen Führungsfiguren des Betrugsaktion mitgeschnitten.
Der stellvertretende New Yorker FBI-Direktor, Barry W. Mawn, sagte, die gesamte Operation der "Familien" habe alle wichtigen Zeichen traditioneller Mafia-Methoden gehabt. "Egal, welchen Markt die Banden infiltrieren, ob den Fischmarkt oder den Aktienmarkt, ihre Hauptmethoden sind immer dieselben: Gewalt und die Drohung mit Gewalt."