Verbraucherschutz
Sowjetische Zensoren schützen ihr Volk vor der vollen Wahrheit über die Wirtschaftslage der UdSSR: Den sowjetischen Getreidekauf im Westen (28 Millionen Tonnen) verschwieg die Sowjetpresse, und sogar das offizielle »Jahrbuch der Außenhandelsstatistik« unterdrückte zum erstenmal seit der Stalin-Zeit die Warengruppe »Getreide«. Immerhin erfuhren die 46 100 Abonnenten der Moskauer Fachzeitschrift »Weltwirtschaft und internationale Beziehungen« im Mai erstmals, daß der Reallohn von 1960 bis 1971 in Japan um 138 Prozent und in Westdeutschland um 113 Prozent stieg, in der Sowjet-Union aber nur um 66 Prozent. Noch schlechter, so durfte Sowjet-Ökonom Pronin kommentieren, schneidet die UdSSR bei Einbeziehung der Lebensmittelpreise auf den Kolchosmärkten ab, die statistisch nicht erfaßt werden. Derzeit steigen diese Preise wegen der Mißernte 1972 über die Lohnsteigerung des vorigen Jahres von 3,5 Prozent hinaus: Das Realeinkommen der Sowjet-Konsumenten sinkt.