Verdacht auf Bilanzfälschung Staatsanwaltschaft durchsucht Conergy
Hamburg - Wirtschaftliche Probleme hat Conergy schon länger, nun kommt auch ein juristisches hinzu: Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen ermittelt die Staatsanwaltschaft Hamburg gegen insgesamt elf verantwortliche Personen des Unternehmens.
Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hamburg bestätigte SPIEGEL ONLINE: "Es gab Durchsuchungen bei einem börsennotierten Hamburger Unternehmen." Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sind Ermittlungen und Durchsuchungen aber nicht auf die Hansestadt beschränkt. "Wir gehen überregional vor", sagte der Sprecher.
Konkret stehen Verantwortliche des Unternehmens im Verdacht, Bilanzen gefälscht und damit den Aktienkurs manipuliert zu haben. Auch wegen des Verdachts auf Insiderhandel wird ermittelt. "Es besteht der Anfangsverdacht, dass Geschäftsdaten im Zusammenhang mit Ad-Hoc-Mitteilungen unrichtig dargestellt wurden", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.
Der Tatzeitraum erstreckt sich laut Staatsanwaltschaft von November 2006 bis Dezember 2007. Inwiefern Anleger durch mögliche Kursmanipulationen geschädigt wurden, stehe noch nicht fest.
Bei den Durchsuchungen hat die Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben "umfangreiches Beweismaterial" sichergestellt. Dabei handele es sich um schriftliche Unterlagen wie auch um Datenträger. Die Ermittlungen laufen bereits seit Herbst 2008. "Wir haben zwei Strafanzeigen vorliegen", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.
Conergy war am Mittwochnachmittag für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Im NDR sagte eine Firmensprecherin, die Ermittlungen richteten sich nicht gegen das Unternehmen, sondern gegen Personen, die bei Conergy beschäftigt seien.
Conergy war Ende 2007 nur knapp an der Pleite vorbeigeschrammt. Damals nahm die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) Ermittlungen auf, ob das Unternehmen die Öffentlichkeit rechtzeitig über die prekäre finanzielle Lage informiert hat. Bestraft wurde die Firma aber schließlich nicht.
Seit der Fast-Pleite baut der frühere Tchibo-Manager Dieter Ammer das Unternehmen um. Er konnte es aber nicht verhindern, das Conergy 2008 noch tiefer als zuvor in die roten Zahlen rutschte. Unter dem Strich stand ein Verlust von 307 Millionen Euro. Im ersten Quartal 2009 brach der Umsatz um 70 Prozent auf 65 Millionen Euro ein.