Verdacht auf Insiderhandel Deutsche Börse durchsucht
Frankfurt am Main - Die Ermittlungen richteten sich gegen unbekannt, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Bei den Durchsuchungen seien Unterlagen sichergestellt worden, die nun ausgewertet und geprüft würden. Nach der Durchsuchung habe sich der Anfangsverdacht auf unzulässigen Insiderhandel bestätigt.
Wie es aus Finanzkreisen hieß, stehen die staatsanwaltschaftlichen Untersuchungen im Zusammenhang damit, dass es im Vorfeld einer möglichen Aufnahme des Finanzdienstleisters Marschollek, Lautenschläger und Partner (MLP) in den Dax im vergangenen Sommer zu auffälligen Kursbewegungen bei dem Papier gekommen sei. Für die Aufnahme in den Dax ist im Wesentlichen der vorwiegend aus Finanzexperten bestehende Arbeitskreis Aktienindizes verantwortlich. Aus diesem Grund zielten die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft wohl auch auf Mitglieder des Arbeitskreises ab, hieß es in den Kreisen. Die Staatsanwaltschaft wollte dies nicht kommentieren.
Wer die Strafanzeige gestellt hat, wollte die Staatsanwaltschaft bisher ebenfalls nicht sagen. Die Anzeige sei "vor ein paar Monaten" eingegangen. Ein Sprecher der Deutschen Börse bestätigte die Durchsuchungen der Räume. Es sei ein Durchsuchungsbefehl für die Börse als "nicht verfahrensbeteiligter Dritter" erwirkt worden. Der Sprecher betonte, dass weder Organe noch Mitarbeiter der Deutschen Börse zum Kreis der Verdächtigen zählten.
Auch Hubert Jobski, Sprecher der Staatsanwaltschaft Mannheim, bestätigte, die Deutsche Börse sei "unbeteiligte Dritte", während MLP "eher als Geschädigte in Frage" komme. Nach Angaben des BAWe wurden auch Räume von Banken durchsucht, wobei eine Sprecherin keine Details nennen wollte. MLP hat nach eigenen Angaben erst am Freitagmorgen von den Untersuchungen im Zusammenhang mit dem Verdacht auf Insiderhandel mit ihren Aktien erfahren.
Auch drei Banken durchsucht
Im Zusammenhang mit der Durchsuchung bei der Deutschen Börse hat die Staatsanwaltschaft Mannheim auch die Frankfurter Zentralen von drei Banken ins Visier genommen. Nach Informationen von "Euro am Sonntag" handelt es sich dabei um die BHF-Bank AG, die DG Bank Deutsche Genossenschaftsbank AG und die Heidelberger Volksbank.
Die BHF-Bank gab dem Bericht zufolge an, dass sich der Verdacht des Insiderhandels gegen einen Mitarbeiter in der Aktienresearch-Abteilung richte. Der Mann sei auch Mitglied der "Arbeitsgruppe Aktienindizes" bei der Deutschen Börse gewesen sei. Dieser Mitarbeiter habe die Bank jedoch Ende März verlassen.
Der DG-Bank-Sprecher sagte, dass sich die Durchsuchung in seinem Haus weder gegen die Bank noch gegen eine bestimmte Person richte. Auch die DG Bank habe einen Vertreter in der "Arbeitsgruppe Aktienindizes" sitzen. Von der Heidelberger Volksbank sei am Freitagabend keine Stellungnahme zu erhalten gewesen, schreibt die Zeitung.