Verdacht auf Preisabsprache Razzia bei Siemens
Brüssel/München - An den Razzien beteiligten sich nach Angaben der EU-Kommission auch Beamte des Bundeskartellamts. Auch Firmen in Österreich und Frankreich waren demnach betroffen. Wie heute bekannt wurde, fanden die Durchsuchungen bereits in der vergangenen Woche statt.
Als Reaktion darauf suspendierte Siemens heute nach eigenen Angaben drei Mitarbeiter wegen Kartellrechtsverstößen vom Dienst. Aus Unternehmenskreisen hieß es, dies stehe im Zusammenhang mit den Ermittlungen der EU-Kommission.
Bei den Durchsuchungen wurden Büros an den Standorten Nürnberg und Linz in Österreich durchforstet. Die Brüsseler Kartellwächter untersuchen Siemens zufolge Absprachen bei Leistungstransformatoren in Deutschland, Österreich und den Niederlanden von 1999 bis 2003. Auch der Schweizer Konkurrent ABB räumte eine Untersuchung der EU in seinem deutschen Trafo-Werk in Bad Honnef bei Bonn ein.
Siemens erklärte, nach Informationen des Unternehmens habe es von 2001 bis 2003 Absprachen zwischen insgesamt fünf Unternehmen auf dem deutschen Markt gegeben. Dabei sei es um Leistungstransformatoren gegangen. Betroffen ist die Siemens-Energieübertragungssparte PTD. An dem Kartell für den deutschen Markt seien fünf Unternehmen beteiligt gewesen, darunter auch die von Siemens übernommene österreichische VA Tech.
Siemens sei an der "schnellen und vollen Aufklärung des Sachverhalts interessiert", erklärte der Konzern. Er habe der EU-Kommission volle Unterstützung zugesichert. Auch ein ABB-Sprecher unterstrich, der Konzern arbeite in vollem Umfang mit den Behörden zusammen.
Zuletzt hatten EU-Ermittler Mitte Dezember unangemeldet Büros der vier größten deutschen Energiekonzerne E.on, RWE, Vattenfall und EnBW durchsucht. Dabei ging es um unzulässige Absprachen zum Nachteil der Verbraucher.
Ein weiteres Kartell hatte ABB selbst aufgedeckt
Auch im Fall Siemens ist es nicht das erste Mal, dass die EU-Kommission aktiv wird. Ende Januar hatte sie den Konzern wegen Absprachen bei gasisolierten Schaltanlagen in Umspannstationen - ebenfalls ein Produkt von PTD - eine Rekordstrafe von rund 420 Millionen Euro aufgebrummt. Die tschechische Wettbewerbsbehörde zog wegen des gleichen Delikts nach und fordert von Siemens eine Geldbuße von 12,4 Millionen Euro. Siemens will juristisch gegen die Strafen vorgehen.
Untersuchungen wegen des Schaltanlagen-Kartells laufen außerdem noch in Australien, Neuseeland und Brasilien. Dieses Kartell war von ABB mit einer Selbstanzeige aufgedeckt worden. Die Schweizer gingen als Kronzeuge straffrei aus.
In der vergangenen Woche hatten zudem norwegische Wettbewerbshüter Büros der Siemens-Sparte Gebäudetechnik in dem skandinavischen Land durchsucht. Sie werfen dem Unternehmen dort Absprachen beim Service und bei der Wartung von Brandschutzanlagen vor.
wal/AFP/Reuters/dpa