Verdeckte Karten - DER SPIEGEL
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Subventionen Verdeckte Karten

Die undurchsichtige Riva-Gruppe übernimmt das ostdeutsche Stahlwerk Eko. Was sie damit wirklich vorhat, weiß niemand.
• aus DER SPIEGEL 10/1994
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nicht einmal »die sehr guten italienischen Maßanzüge« des Emilio Riva können den Hamburger Wirtschaftsprüfer Otto Gellert überzeugen. Der Mailänder ist einfach nicht sein »Traumpartner«.

Und doch übertrug vorige Woche die Treuhandanstalt - Vize-Verwaltungsratschef: Gellert - dem ungeliebten Italiener das Eisenhüttenstädter Stahlwerk Eko. Dessen Aufsichtsrat steht wiederum Gellert vor.

»Ein großer schwarzer Kasten« ist Emilio Rivas Unternehmen für Ingrid Scheibe-Lange vom IG-Metall-Vorstand. »Die Finanzdaten sind unbekannt, die Eigentumsverhältnisse sind geheim.«

Und doch räumte die Metaller-Gewerkschaft vorige Woche selbst, mit einem Vertrag über Beschäftigungssicherung und Mitbestimmung bei Eko, das letzte Hindernis des Treuhand-Riva-Deals aus dem Weg.

Gellert, Scheibe-Lange und viele andere an der Milliarden-Transaktion Beteiligte sind »unsicher und skeptisch« _(* Mit Ministerpräsident Manfred Stolpe ) _(und Wirtschaftsminister Walter Hirche ) _(bei einer Investorenkonferenz für das ) _(Land Brandenburg am 23. Januar 1992. ) und stimmen gleichwohl zu. Sie alle handeln nach demselben Motiv: »Es gibt keine Alternative mehr.«

Ohne Konkurrenz entschied der vom Schrotthändler zum Stahlmagnaten avancierte Riva weitgehend selbst, zu welchen Konditionen er das industrielle Herzstück des Neu-Bundeslandes Brandenburg zum 1. Mai dieses Jahres übernimmt. Binnen weniger Wochen kippte er eine Treuhand-Bedingung nach der anderen, ohne selbst seine Karten vor der Eko-Belegschaft oder den Treuhand-Aufsehern aufzudecken.

Von den 5700 Jobs, Nebenbetriebe eingeschlossen, will Riva zunächst 2300, langfristig aber nur 1700 halten. Dafür bekommt er jetzt 60 Prozent des einstigen DDR-Stahl-Prunkstücks zum »negativen Kaufpreis« - die Treuhand legt noch Geld drauf. Wieviel er für die restlichen 40 Prozent 1998 zahlen muß, hat Riva selbst in der Hand. Der im Vertrag vereinbarte Verkehrswert »nach Sanierung« ist um so kleiner, je erfolgloser Riva bei Eko wirtschaftet.

Die technischen Pläne für das versprochene »hochmoderne, voll integrierte autarke Hüttenwerk« (Treuhand-Sprecher Wolf Schöde) sind ebenso vage wie die betriebswirtschaftliche Kalkulation. Was wirklich in den kommenden Jahren in Eisenhüttenstadt läuft, weiß - außer Riva, vielleicht - niemand. Vereinbarte Sicherungsklauseln und Vertragsstrafen werden bei einem Crash nicht viel helfen. »Die allein entscheidende Frage« sei, so Gellert, »was ist Riva letztlich für eine Figur«.

Emilio Riva, 67, seit 1993 Präsident der Mailänder Riva Prodotti Siderurgici SpA, ist Alleinverwalter fünf weiterer Firmen und gesegnet mit drei Söhnen, die dem »padre« teils als geschäftsführende Direktoren zur Hand gehen, teils selbst Firmen für ihn halten und verwalten. Der undurchschaubare Konzern hat noch nie eine Bilanz veröffentlicht.

Jeder Kontakt mit der Riva-Gruppe ist schwierig. Das Milliarden bewegende Unternehmen gibt sich nicht einmal fernmündlich zu erkennen. Nur mit der Nummer meldet sich die Firmenzentrale in Mailand: »Hier 30 700«. Bei Nachfragen wird aufgelegt. »Das riecht alles«, sagt der stellvertretende Eko-Aufsichtsrat und IG-Metall-Funktionär Rainer Barcikowsky, »von vorne bis hinten«. Nur - wonach?

Ein »cleverer Selfmademan« - das ist die eine, die Treuhand-Version. Überall in Europa nimmt Riva den Regierungen marode Stahlwerke ab und bekommt dafür hohe Subventionen. Dann drückt er, ganz hemdsärmeliger Mittelständler, die Kosten und macht so, als einer der ganz wenigen Stahlhersteller in Europa, angeblich Gewinn. 5,2 Millionen Tonnen produziert der Nobody inzwischen pro Jahr - mehr als Krupp vor der Fusion mit Hoesch.

Ein Abstauber und Ausschlachter, der nicht vom Stahl, sondern von den staatlichen Zuschüssen lebt - das ist die andere Version.

Während Treuhand-Chefin Birgit Breuel sich vom »erstaunlich guten Cashflow« (so ihr Sprecher Schöde) überzeugen ließ, warnt der italienische D&B-Schimmelpfeng-Ableger Kosmos: »Das Zahlungsverhalten des Unternehmens hat sich verschlechtert.« Branchendienste berichten über einen deutlichen Umsatzrückgang (von 640 auf 500 Millionen Mark) und einen Verlust (5,3 Millionen).

Nun dürfte es wieder aufwärtsgehen. Denn mit der Eko-Übernahme fließen Riva, so Aufsichtsrat Barcikowsky, »sofort 200 Millionen Mark cash« zu. Und das ist nicht alles. Von den 1,1 Milliarden Mark an geplanten Investitionen zahlen die Treuhand und das Land Brandenburg 650 Millionen.

Damit Eko-Riva für die fehlenden 450 Millionen Bankkredite bekommt, müssen alte Eko-Schulden abgeräumt und das Eigenkapital aufgebessert werden. Alles zusammen, schätzt Treuhand-Verwalter Gellert, werde die Privatisierung des letzten großen Treuhand-Prestigeobjektes die öffentlichen Hände 2,75 Milliarden Mark kosten.

»Gut abgesichert« ist das alles, laut Treuhand, mit Vertragsstrafen und Bankbürgschaften. Doch für die Bußgelder haftet allenfalls die eigens für den Deal gekaufte holländische Schubladengesellschaft Oderstal mit einer Einlage von 60 Millionen Mark.

Und der Ruf der Hausbank ist in den letzten Wochen auch nicht besser geworden. Die Führungsspitze der größten italienischen Sparkasse »Cassa di Risparmio delle provincie Lombarde« (Cariplo) wurde Ende Januar verhaftet, wegen des Verdachts der Korruption sowie illegaler Grundstücks- und Parteifinanz-Geschäfte. Y

* Mit Ministerpräsident Manfred Stolpe und WirtschaftsministerWalter Hirche bei einer Investorenkonferenz für das Land Brandenburgam 23. Januar 1992.

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