Verdi Bsirske heißt der Chef
Berlin - Die 1009 Delegierten stimmten am Dienstag in Berlin in geheimer Wahl mit der Mehrheit von 95,9 Prozent einem entsprechenden Vorschlag zur Besetzung des Verdi-Vorstands zu.
Demnach übernimmt der 49 Jahre alte Frank Bsirske den Vorsitz. Die bisherige HBV-Chefin Margret Mönig-Raane ist für die Tarifpolitik der neuen Gewerkschaft zuständig. Zu weiteren Stellvertretern wurden Gerd Herzberg von der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG), Michael Sommer von der Postgewerkschaft (DPG) und Gerd Nies von der IG Medien gewählt.
Von den 19 Vorstandsposten entfallen insgesamt acht auf die bisherige Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) und je drei auf die früheren Gewerkschaften Handel, Banken und Versicherungen (HBV), Postgewerkschaft und DAG. Zwei Vorstandsmitglieder stellt die frühere IG Medien.
Sitz des neuen Bundesvorstands ist Berlin. Die fünf Einzelgewerkschaften hatten auf Verschmelzungskongressen am Wochenende ihre Selbstauflösung und anschließende Fusion zur Dienstleistungsgewerkschaft Verdi beschlossen. Daraufhin war Verdi am Montag förmlich gegründet worden.
Bsirske, der ehemalige Personaldezernent der Stadt Hannover, war erst im November zum Nachfolger des langjährigen ÖTV-Chefs Herbert Mai gewählt worden. Damit stand Bsirske als erstes Grünenmitglied an der Spitze einer Gewerkschaft.
Schon vor der Wahl hatte Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) der neuen Gewerkschaft eine "intensive Zusammenarbeit" angeboten. Die Brücken zwischen Politik und Gewerkschaften müssten gefestigt werden, forderte Riester.
Auch IG-Metall-Chef Klaus Zwickel begrüßte die Gründung der Gewerkschaft: "Ich freue mich auf einen neuen starken Partner", schrieb Zwickel in einem Beitrag für das Mitglieder-Magazin "metall". Die IG Metall werde die in der Metall- und Elektroindustrie tätigen ehemaligen Mitglieder der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) nicht "einsacken", schrieb Zwickel. Es werde aber künftig keine konkurrierenden Betriebsratslisten, getrennte Tarifverhandlungen und Mitgliederwerbung von Verdi im IG-Metall-Bereich geben. Es sei eine klare Abgrenzung vereinbart worden.