Verkauf der Postbank Ackermann nährt Übernahmegerüchte
Frankfurt am Main - Wird die Postbank verkauft oder nicht? Noch diese Woche könnte entschieden werden, was mit Deutschlands größtem Privatkundeninstitut passiert. Am Freitag tagt der Aufsichtsrat der Post. Von Insidern sei zu hören, dass das Geldinstitut "nicht mehr bei der Post bleibt", berichtet die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung".
Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Interesse an Retailbanking
Foto: AFPAls Favorit für die Übernahme wird die Deutsche Bank gehandelt. Das Institut verhandle derzeit mit der Post, berichtet die Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX unter Berufung auf Finanzkreise. Es sei sehr wahrscheinlich, dass sich die Parteien vor Freitag einigen. Die beteiligten Unternehmen wollen sich dazu nicht äußern.
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sagte, er kommentiere Spekulationen nie. Gleichzeitig befeuerte er selbst kräftig die Verkaufsgerüchte. "Wir streben eine ganz substantielle Steigerung unseres Gewinns im Retailbanking an und sind an Akquisitionen in diesem Bereich interessiert", sagte Ackermann bei der "Handelsblatt"-Tagung "Banken im Umbruch". "Dabei gehen wir weiter mit hoher Disziplin vor."
Es habe sich nichts an der Einschätzung geändert, dass die Deutsche Bank die Postbank als ein Institut sehe, "was uns in vieler strategischer Hinsicht stärken könnte", sagte Ackermann - "sowohl im Privatkundenmarkt als auch als Distributionsnetz".
Die Deutsche Post, als Mehrheitseigentümer der Postbank, hatte nach Informationen der "Wirtschaftswoche" zuletzt ihre Preisvorstellungen reduziert. Unter Berufung auf Kreise des Bundesfinanzministeriums berichtete das Magazin, die Post sei inzwischen bereit, ihre Bank für den aktuellen Börsenwert plus einem Zuschlag von etwa 30 Prozent und damit für einen Preis zwischen 8,5 und 9,5 Milliarden Euro zu verkaufen. Bislang war ein Kaufpreis von zehn Milliarden Euro kolportiert worden.
Die Deutsche Bank steht unter Handlungsdruck. Vor kurzem verlor sie den Bieterwettstreit um das deutsche Privatkundengeschäft der Citigroup - die französische Genossenschaftsbank Crédit Mutuel kam zum Zuge und ließ sich den Einstieg in den deutschen Markt 4,9 Milliarden Euro kosten. Durch die Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank entsteht zudem ein weiterer starker Rivale auf dem Markt.
Auf der "Handelsblatt"-Tagung wertete Ackermann die Fusion von Dresdner und Commerzbank als Stärkung für den Finanzplatz Deutschland: "Wir begrüßen sehr den Zusammenschluss", sagte er. "Wir brauchen Konsolidierung."
Ackermann betonte zudem, die breite Aufstellung der Deutschen Bank habe sich gerade im Zeichen der im Sommer 2007 ausgebrochenen Finanzmarktkrise bewährt. Er sehe Deutschlands größte Bank trotz Belastungen von insgesamt gut sieben Milliarden Euro als einen Gewinner der Krise. Zudem werde das Ende der Turbulenzen immer greifbarer: "Wir sehen eine Stabilisierung, wir sehen den Beginn des Endes, das bestätigt sich immer mehr." Noch seien die Märkte jedoch "nach wie vor außerordentlich nervös", sagte Ackermann.
ssu/dpa