Verkaufsangebot EasyJet soll Deutsche BA schlucken
London - Die Muttergesellschaft British Airways habe easyJet ein Verkaufsangebot unterbreitet. Das Angebot gelte bis zum 31. März 2003, sagte ein Sprecher der Deutschen BA. Als Verkaufpreis sei eine Summe zwischen 30 Millionen und 46 Millionen Euro geplant. Die genaue Summe hänge vom Kaufzeitpunkt ab.
Die Deutsche BA war vor zehn Jahren auf dem damals praktisch alleine von der Deutschen Lufthansa beherrschten deutschen Markt angetreten. Mittlerweile unterhält das Unternehmen 16 Maschinen des Typs Boeing. Die Fluglinie mit Sitz in München beschäftigt rund 860 Mitarbeiter.
Seit ihrer Gründung flog sie allerdings Jahr für Jahr Verluste ein. Mit einem neuen Geschäftsmodell hatte sich die Fluglinie daraufhin jüngst Billigfliegern wie easyJet, Go oder Ryanair angenähert. Zum 1. April wurden die Preise um durchschnittlich 20 bis 30 Prozent gesenkt.
Unterdessen laufen die Verhandlungen um die Übernahme der drittgrößten Billigfluglinie Go auf Hochtouren weiter. Rund 400 Millionen Pfund (652 Millionen Euro) sind als Kaufpreis im Gespräch - eine Summe, die die Aufbruchstimmung der Billigflieger widerspiegelt: Sie sehen sich nach den Terrorangriffen auf die USA vom 11. September als große Gewinner eines veränderten Marktverhaltens, das vor allem den traditionellen Fluggesellschaften schwer zu schaffen macht.
Mit easyJet (derzeit 31 Flugzeuge und 45 Flughafen-Anbindungen) bekäme Go (22 Flugzeuge und 38 Zielflughäfen) einen unerwarteten neuen Eigentümer. Denn nachdem sich British Airways, die Go 1998 gründete, vor elf Monaten von der Tochter wieder trennte und diese für 100 Millionen Pfund in einem Management-Buy-out fast zum Schleuderpreis verkaufte, war in London spekuliert worden, dass die hinter dem Buy-out stehende Investorengruppe 3i demnächst einen Börsengang ankündigen würde.
In den vergangenen sechs Monaten ist die Passagierzahl von easyJet - aufs Jahr gerechnet - um 36 Prozent gewachsen. Go hat im März knapp 500.000 Passagier befördert, deutlich mehr als noch im Januar (310.000). Beide Fluggesellschaften befinden sich mit Boeing und Airbus in Verhandlungen über Großaufträge.