Verkaufseinbrüche Autoindustrie zweifelt an Absatzprognose
Frankfurt/Main - Angesichts der Nachfrageflaute steht die Absatzprognose der Autoindustrie von 3,2 Millionen Neuzulassungen auf der Kippe. Die Autoverkäufe seien in Westeuropa bis Ende September um neun Prozent zurückgegangen, sagte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, der Zeitschrift "Auto Motor und Sport". Der Rückgang auf dem US-Markt sei noch stärker.
Autoproduktion bei VW: Absatzeinbruch erwartet
Foto: APBetroffen seien nicht nur einzelne Hersteller, sondern der Gesamtmarkt. "Deshalb prüfen wir derzeit, inwieweit sich dies auf die Gesamtprognose 2008 niederschlägt", sagte Wissmann. Die Prüfung sei aber noch nicht abgeschlossen. Dagegen berichtete die "Welt am Sonntag", der VDA werde am Dienstag eine niedrigere Zahl als die 3,2 Millionen nennen. Auch der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK), der die Importeure in Deutschland vertritt, werde künftig von weniger als 3,2 Millionen Neuzulassungen in diesem Jahr ausgehen, schrieb das Blatt und berief sich auf einen VDIK-Sprecher.
Eine Prognose für das kommende Jahr ist laut VDA-Präsident Wissmann derzeit unmöglich: "Die Marktentwicklung für das Jahr 2009 ist zum jetzigen Zeitpunkt nur schwer vorherzusagen." Gerade der Inlandsmarkt hänge im Wesentlichen davon ab, "wie sich seitens der Bundesregierung geplante Impulse auswirken und wie schnell verlässliche Rahmenbedingungen für die zukünftigen Mobilitätskosten geschaffen werden", sagte Wissmann.
Schnelles Handeln von der Regierung verlangt
Die Bundesregierung forderte er auf, so schnell wie möglich die CO2-basierte Kfz-Steuer einzuführen, um die Verunsicherung der Verbraucher zu beenden. Bei der angekündigten Aussetzung der Kfz-Steuer komme es darauf an, dass "die umweltfreundlichen Neufahrzeuge aller Hersteller in jedem Segment von der Neuregelung betroffen sind".
Für völlig übertrieben hält Wissmann Prognosen, wonach in der Autoindustrie bis zu 50.000 Stellen gefährdet sind. "Manche selbsternannte Experten sagen viel, wenn der Tag lang ist. Alle Unternehmen der deutschen Automobilbranche bemühen sich, die enorm gesunkenen Verkaufszahlen zunächst mit besonders sozialverträglichen Maßnahmen wie Abbau von Überstunden oder verlängertem Urlaub abzufedern", sagte er. Die Unternehmen seien auf ihre qualifizierten Fachkräfte angewiesen. "Da stellt kein Unternehmen ohne wirkliche Not aus."
Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hatte in der vergangenen Woche der "Bild"-Zeitung gesagt, als Folge der globalen Finanzkrise sehe er bis zu 50.000 der 350.000 Jobs in der deutschen Automobil-Zulieferbranche in Gefahr. Neben Wissmann wies dies auch der Chef des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Instituts (HWWI), Thomas Straubhaar, zurück. "Ich sage: Vorsicht vor derartigen Prognosen", sagte Straubhaar der "Neuen Osnabrücker Zeitung".
Unruhige Zeiten für Audi
Audi-Vorstandschef Rupert Stadler hat sich gegen staatliche Hilfsgelder zur Unterstützung der deutschen Autoindustrie ausgesprochen. "Grundsätzlich brauchen wir keine Subventionen, auch keine Kredite, weil wir unsere Investitionen aus eigener Kraft finanzieren können", sagte Stadler der Branchenzeitschrift "Automobilwoche".
Allerdings dürfe man auch keine Wettbewerbsverzerrungen zulassen, die sich durch die staatlichen Finanzhilfen an die US-Autoindustrie ergeben hätten. Stadler forderte deswegen Investitionsanreize und eine Unterstützung für Forschung und die Entwicklung neuer Technologien.
Langfristig hält Audi nach Stadlers Angaben trotz der Finanzkrise an dem Ziel fest, bis 2015 die erfolgreichste Premiummarke zu sein. Aber auch Audi könne sich dem Sog der Krise nicht entziehen. "Ich gehöre nicht zu den Berufspessimisten", sagte Stadler, "aber dass wir uns auf unruhige Zeiten vorbereiten müssen, ist keine Frage".
cpa/AP/dpa