Verlagsverkauf Bohlen total bei Bertelsmann
Berlin/Gütersloh - Seit Tagen wurde spekuliert, nun gibt es Gewissheit: Am Dienstag teilte der Axel Springer Verlag ad hoc mit, er werde die Buchverlagssparte Ullstein Heyne List an den Buchkonzern Random House verkaufen, der wiederum zu Bertelsmann gehört. Der Verkauf erfolge rückwirkend zum Jahresanfang 2003. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Das Kartellamt muss die Übernahme noch genehmigen.
Die jüngsten Markterfolge - etwas des Bohlen-Buchs "Nichts als die Wahrheit" - und alle Sanierungsversuche hätten die wirtschaftliche Situation nicht nachhaltig verbessert, teilte der Springer-Verlag zur Begründung mit. Die drittgrößte deutsche Verlagsgruppe hatte im Jahr 2001 bei einen Umsatz von 167 Millionen Euro einen operativen Verlust von 46 Millionen Euro erlitten. Die offiziellen Zahlen für 2002 sind noch nicht bekannt. Die Verlagsgruppe Random House hat im gleichen Jahr 243 Millionen Euro umgesetzt. Beide Unternehmen sitzen in München.
"Bekenntnis zum Buchgeschäft"
Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner hatte die Buchsparte im Dezember zur Disposition gestellt. Bertelsmann-Chef Gunter Thielen bestätigte daraufhin Ende Januar, es gäbe Gespräche mit Springer über den Kauf. Bertelsmann teilte am Dienstag mit, die Transaktion sei ein "Bekenntnis zum deutschen Buchgeschäft".
Die Verlagsgruppe Ullstein Heyne List entstand im Jahr 2001 nach der Übernahme des Wilhelm Heyne Verlags. Der Ullstein Buchverlag ist das traditionsreichste Haus der Gruppe und kam 1959 zum Springer-Verlag. Weitere Verlage der Gruppe sind Claassen, Econ, List, Propyläen und Südwest.
Ein Taschenbuch-Gigant entsteht
Die Prüfung durch das Bundeskartellamt werde mehrere Monate in Anspruch nehmen, vermutete ein Bertelsmann-Sprecher. Mit der Übernahme käme Bertelsmann auf dem sehr fragmentierten deutschen Buchmarkt auf einen Marktanteil von elf Prozent, dieser Wert sei unkritisch. Die Kartellwächter könnten aber die starke Stellung des vereinigten Verlages im Taschenbuchmarkt monieren. Laut Random House würde der Marktanteil in diesem Segment aber auch nach der Übernahme unter 30 Prozent liegen.
In Branchenkreisen hieß es, Random habe in den Verhandlungen mit Springer zugesichert, das Kartellrisiko zu tragen. Wenn die Transaktion also am Veto der Kartellbehörde scheitern sollte, müsste Random einen neuen Käufer finden.