Versandgeschäft: Otto hängt erstmals KarstadtQuelle ab - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Versandgeschäft Otto hängt erstmals KarstadtQuelle ab

Jahrelang lag KarstadtQuelle bei Umsätzen vor dem Otto-Versand. Weil das Essener Handelshaus im vergangenen Jahr in die Krise rutschte, kann der Hamburger Konkurrent nun vorbeiziehen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Die Otto Group erhöhte ihre Erlöse im Geschäftsjahr 2004/05 nach eigenen Angaben um 0,3 Prozent auf rund 14,36 Milliarden Euro. Nach einer rückläufigen Entwicklung im Vorjahr sei dem Unternehmen die Umsatzwende gelungen, sagte Vorstandschef Michael Otto.

Damit hat Otto zum ersten Mal den großen deutschen Handelskonkurrenten KarstadtQuelle abgehängt. Das Essener Unternehmen hatte einen Umsatz von 14,2 Milliarden Euro für das abgelaufene Geschäftsjahr gemeldet.

Beim Ertrag sieht es für die Hanseaten noch besser aus: Während der angeschlagene KarstadtQuelle-Konzern auf einen Milliardenverlust zusteuert, meldet die Otto-Gruppe eine deutliche Steigerung des Vorjahresgewinns von 307 Millionen Euro. In Unternehmenskreisen ist von einem Gewinnwachstum über 10 Prozent die Rede. Die vollständige Bilanz soll im Juni vorgestellt werden.

Der Otto-Versand führte den Erfolg auf die fortschreitende Internationalisierung und innere Reformen zurück. So habe der Anteil des Auslandsumsatzes mit rund 7,3 Milliarden Euro über 50 Prozent gelegen. "Wir sind heute in der Lage, uns ein Stück weit von der schwierigen konjunkturellen Entwicklung im Inland abzukoppeln", sagte Otto.

Der Konzernlenker gab sich optimistisch: "Der gute Auftakt des laufenden Jahres stimmt uns zuversichtlich, im Geschäftsjahr 2005/2006 sowohl beim Umsatz als auch beim Ertrag unseren Wachstumskurs fortsetzen zu können."

Schwächen im Kerngeschäft

Allerdings leidet die Gruppe weiter unter Umsatzrückgängen im Kerngeschäft aus Katalogversand, stationärem Handel und E-Commerce. Hier fiel insgesamt ein Umsatzminus von 3,4 Prozent auf 9,48 Milliarden Euro an. Die ausländischen Unternehmen schnitten in diesem Segment besser ab als die inländischen Töchter, die 3,9 Prozent verloren.

Besonders schlimm erwischte es das Herz des Konzerns, den Otto-Versand, mit minus 4,9 Prozent. Auch der Baur-Versand lief schlechter, während der Schwab-Versand zulegte. Otto hat als Reaktion die Arbeitsabläufe deutlich gestrafft und so Sparpotenziale gehoben. Als erste großer Versender stellt Otto auf drei Kataloge pro Jahr um, um aktueller zu sein.

Die größte Zuwachsrate erzielte die Otto Group mit 32,7 Prozent in der Dienstleistungssparte, in der vor allem die Logistikdienstleistungen der Hermes Logistik Gruppe und die Reisedienstleistungen der Otto Freizeit und Touristik GmbH zusammengefasst sind. Der Umsatz dieses Geschäftsfelds stieg auf rund 211 Millionen Euro.