Verschätzt
Das Bonner Bundesarbeitsministerium hat seine Vorausschätzungen der Milliardenüberschüsse in der gesetzlichen Rentenversicherung drastisch reduziert. Hatten Walter Arendts Rechner kürzlich noch einen Überschuß von rund 50 Milliarden Mark bis zum Jahre 1988 ermittelt, so korrigierten sie in einem vertraulichen Papier an den Sozialbeirat das Plus auf 22 Milliarden Mark. Grundlage der neuen Zahlen: Nachdem zunächst in den Jahren 1977 bis 1982 ein Zuwachs der Arbeitnehmer von jährlich einem Prozent unterstellt worden war, kommen die Rentenexperten jetzt nur noch auf einen Zuwachs von 0,6 Prozent. Für das Jahr 1987 schraubten sie die Steigerungsrate der Beschäftigten gar von 8,2 Prozent auf 0,18 Prozent zurück, vor allem wegen des eingeplanten geringeren Gastarbeiterzustroms. Die CDU-Opposition vermutet hinter der Arendt-Rechnung Manipulation: Auf diese Weise solle verhindert werden, daß Bundesfinanzminister Helmut Schmidt den Haushaltszuschuß zur Rentenversicherung womöglich kürzt. Die rheinland-pfälzische Landesregierung will deshalb im Bundesrat den Antrag stellen, daß künftig einem unabhängigen Gremium die Berechnungen der Finanzlage der gesetzlichen Rentenversicherung übertragen werden.