Verschmelzungsplan Marke MobilCom dem Untergang geweiht
Paris/Büdelsdorf - Sollte France Télécom die MobilCom-Aktien Schmids wie geplant übernehmen, könnten die Franzosen MobilCom mit ihrer deutschen Tochter Hutchison Telekom in Münster zusammenführen und unter der Konzernmarke Orange Mobilfunkleistungen anbieten. Diese Integration würde nach Schätzungen von Analysten rund 1000 bis 2000 Arbeitsplätze kosten. Nach Informationen des "Focus" ist die Umbenennung bereits beschlossene Sache: Der Name MobilCom sei endgültig verschlissen, zitiert das Magazin einen Unternehmensmanager. Hutchison hat 680.000 Handykunden.
Spitzenleute von France Télécom hatten in der Vergangenheit auch Zusammenschlüsse zwischen den kleineren Inhabern einer UMTS-Lizenz befürwortet, was aber Probleme aufwerfen würde. Damit ginge eventuell eine Lizenz verloren, die einmal acht Milliarden Euro gekostet hat. Der Aufbau eines Netzes für das neue Mobilfunk-UMTS hatte den Streit zwischen France Télécom und Schmid ausgelöst. Weil sie die Marktchancen für UMTS-Dienste zunehmend skeptischer einschätzten wollten die Franzosen das Investitionstempo bremsen.
Obwohl die Franzosen am Freitag ihre personellen Wünsche durchgesetzt und Schmid durch den früheren Finanzvorstand Thorsten Grenz ausgetauscht haben, fehlen noch wichtige Elemente für eine Gesamtlösung der MobilCom-Krise. So hat die France Télécom mit Schmid noch keine Regelung für die Übernahme seiner Aktien und der Aktien seiner Frau ausgehandelt, die zusammen knapp die Hälfte des MobilCom-Kapitals kontrollieren.
Eine Sprecherin von France Télécom kündigte harte Verhandlungen mit Schmid über das Aktienpaket an. Der MobilCom-Gründer beharrte auf seiner Forderung von 22 Euro je Aktie in bar. "Ich sehe nichts, was den Wert des Unternehmens seit März gesenkt hat", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die hoch verschuldeten Franzosen wollen Schmid und die freien Aktionäre angeblich nicht in bar ausbezahlen, sondern mit Aktien der Tochter Orange. Das lehnt Schmid ab. Zum aktuellen Börsenkurs ist MobilCom ungefähr 662 Millionen Euro wert.
Solange Schmid Großaktionär bei MobilCom ist, kann France Télécom das schleswig-holsteinische Unternehmen nicht kontrollieren. Die Franzosen halten nur 28,5 Prozent der Aktien, während Schmid die Mehrheit der Hauptversammlung hinter sich hat. Die Zustimmung der Hauptversammlung ist notwendig bei Fusionen oder wichtigen Verträgen. Zudem könnte Schmid eine außerordentliche Hauptversammlung durchsetzen und die Kapitalseite des Aufsichtsrats mit seinen Vertrauten besetzen.
Die Finanzierung von MobilCom ist zunächst gesichert und damit eine unmittelbare Insolvenzgefahr abgewendet. "Wir werden jetzt MobilCom weiter finanzieren", sagte ein Sprecher von France Télécom. Damit scheint auch die Verlängerung eines Kredits über 4,7 Milliarden Euro geklärt, der Ende Juli ausläuft. Die Gläubigerbanken von MobilCom haben sich grundsätzlich mit France Télécom geeinigt, auf zehn Prozent ihrer Forderungen zu verzichten. Die Schulden von MobilCom sollen in eine Anleihe umgewandelt werden, um die Bilanz von France Telecom nicht zu belasten. Die Verträge sind jedoch noch nicht unterschrieben.
Zudem fordert France Télécom auch von den Lieferanten Nokia und Ericsson, dass sie auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Die beiden Hersteller haben MobilCom Lieferantenkredite in Milliardenhöhe gewährt. Die Verhandlungen zwischen France Télécom und den Nordländern sind bereits angelaufen und sollen schnell zu einem Ende geführt werden. "Wie es exakt weiter geht, hängt von dem Ausgang der Verhandlungen ab", hieß es bei France Télécom. Erst dann werde mit Schmid verhandelt.